3. Die Perser. 97
von Cyrus hier belagert. Da Sardes stark befestigt und reichlieh verpro-viantirt war, die Perser aber nicht verstanden Städte zu belagern, sohoffte Crösus sich so lange in Sardes halten zu können, bis ihm die ver-einten Heere der Babylonier und Lacedämonier zu Hülfe kommen würden.Die Spartaner rüsteten in der That schon die Flotte und sonst alles zumFeldzug Nöthige. Aber ehe noch Armee und Flotte nach den UfernKleinasiens absegeln konnte, gelang es Cyrus, sich durch List der StadtSardes zu bemächtigen (s. §. 17 , 20 Tage nach dessen Einschliessung.Crösus wurde gefangen genommen, erhielt aber seine Freiheit wieder.Das reiche Sardes ward geplündert und seine Einwohner grösstentheilsgetödtet. Nachdem Cyrus mit der Einnahme von Sardes auch das lydischeReich unterjocht hatte, richtete er seine Waffen auf die Eroberung derkleinasiatisch-griechischen Colonien, zuerst der ionischen. Die Ionier,Aeolier und Dorier (mit Ausnahme der Mileter, welche mit Cyrus ver-bündet waren") schlössen unter einander ein Bündniss, rüsteten gegen diePerser und baten in Griechenland um Hülfe. Aber keine der griechischenRepubliken wollte ihnen zu Hülfe kommen, und so blieben sie auf ihreeigenen Kräfte angewiesen. Diese Kräfte aber waren gering, die grie-chischen Städte in Kleinasien schwach befestigt, und so trug Cyrus seinemFeldherrn Harpagus auf, mit einem Theile des Heeres die griechischenColonien in Kleinasien zu nehmen, er selbst aber ging mit der Haupt-macht nach Mittelasien zurück, um seine Eroberungen zu vollenden.Harpagus hatte, trotz des tapfern hartnäckigen Widerstandes der Grie-chen, in wenigen Monaten die Unterwerfung der Colonien vollbracht. EinTheil der Städte wurde erobert und geplündert, andre unterwarfen sichfreiwillig; aus einigen wanderten die Einwohner aus nach andrenGegenden. Während dessen hatte Cyrus das ganze Land vom mittel-ländischen Meer bis zum Tigris erobert und schliesslich durch die Ein-nahme von Babylon, nach zweijähriger Belagerung, die Eroberung vonMittel-, Klein- und West-Asien vollendet (die phönizischen Städte unter-warfen sich ihm freiwillig, Judäa -ward mit dem babylonischen Reichezugleich erobert).
Gegen Ende seines Lebens wandte Cyrus seine Waffen gegen den.Stamm der Massageten, welche in der Gegend am südwestlichen kaspi-schen Meere nomadisirten und von den Griechen zu den Scythen gezähltwerden. Cyrus unternahm diesen Krieg gegen sie vermuthlrch deshalb,weil er sie für gefährlich hielt und das persische Reich vor ihnen sichernwollte. Aber der Krieg mit ihnen endete unglücklich. Cyrus wollte sieüber den Araxes hervorlocken und innerhalb der Grenzen des persischenReiches schlagen: dann aber, auf den Rath des Crösus, zog er es vor,über den Araxes zu gehen und den Krieg in ihr Gebiet zu tragen. NachUeberschreitung des Araxes lockte er die Massageten in einen Hinter-
Galitzin, Allgem. Kriegsgeschichte. I, 1. '