92 I' Von den ältesten Zeiten bis zum Besinn der gricch.-pers. Kriege.
die Befestigungs- und Belagerungskunst allmälig auf dieselbe Höhe, wiebei den von den Persern unterjochten und überhaupt bei allen altenorientalischen Völkern.
Xenophon erwähnt in der Cyropädie nirgends eine künstliche Be-festigung der Lager der Perser unter Cyrus, er sagt aber, dass sie imKriege in Zelten lagerten, und dass Cyrus oft kleine Festungen erbaute,um die eroberten Länder gegen den Angriff äusserer Feinde zu sichern.So, führt er an, baute Cyrus bei seinem Feldzuge in Armenien, nachdemer dessen König zur Unterwerfung gezwungen hatte, kleine Festungenan den Grenzen dieses Landes, um es gegen den Einfall der Chaldäer vonSeiten des Kaukasus her zu schützen. Später, als die Perser alle Ländervon Mittel- und Kleinasien erobert hatten, begannen sie die Städte so zubauen und zu befestigen, wie dies die Meder, Babylonier und anderenasiatischen Völker thaten, und wie jene^auch die Hauptstädte und dieWohnsitze der Könige mit besonderer Sorgsamkeit zu befestigen. Sowurde noch unter Cyrus die Erbauung und Befestigung von Persepolisbegonnen. Nach Diodor von Sicilien war die Burg oder innere Festungvon Persepolis mit einer dreifachen Heike ausgezackter Mauern umgeben ■die erste oder äusserste'. war 24 Ellen etwa 7 Faden) hoch, die zweitedoppelt so hoch, und die dritte, 90 Fuss hoch (ungefähr 13 Faden), warin Form eines Rechtecks und ans sehr harten Steinen gebaut. Jede Frontder Festung hatte ein kupfernes Thor.
Aber in der Kunst, eine Stadt durch Belagerung einzunehmen, warenunter Cyrus die Perser noch unerfahren. obgleich sie, nach Xenophon,Wurfmaschinen und Mauerbrecher kannten und anwendeten. Um sohäufiger nahmen sie die Stadt durch List. So wurde nach der Schlacht beiThynibra des Crösus Hauptstadt Sardes genommen. Während Cyrus mitseinen Hauptkräften von der einen Seite einen Scheinangriff auf dieseStadt machte, vermochte ein von ihm nach der andern Seite gesandtesCorps zufällig den steilen Felsen zu erklimmen, auf welchem das Schlossoder die Citadelle von Sardes lag, und bemächtigte sich so diesesSchlosses und der Stadt, in denen es auf fast gar keinen Widerstandstiess, da alle Aufmerksamkeit und alle Truppen des Crösus gegen Cyrusgewandt und auf dei\Seite des Schlosses, das durch seine Lage vonselbst gegen einen Ueberfall gesichert schien, fast gar keine Truppen be-lassen waren. In solchen Fällen aber, wenn die feindliche Stadt gross,stark befestigt, mit zahlreichen Streitern besetzt und reichlich mit Lebens-mitteln versehen war, mussten sich die Perser auf die Umzingelung derStadt beschränken, um die Bewohner durch Hunger zur Uebergabe zuzwingen. So umlagerte Cyrus zwei Jahre lang das grosse und ausseror-dentlich stark befestigte Babylon und bekam es. nach Xenophon, erstdann in seinen Besitz, als er durch langwierige und mühselige Arbeiten