8 | I. Von den ältesten Zeiten bis zum Beginn der griech.-pers. Kriege.
der Kriege mit den Aethiopiern war also der Wunsch, die Nomadenstämmezu bändigen, welche nahe der Südgrenze Aegyptens wohnten und fortwäh-rend in dieselbe einbrachen, besonders aber die Gier nach Gold und denkostbaren Naturprodukten, woran Aethiopien Ueberhuss hatte. Ueberliefe-rungen und Denkmäler erweisen, dass die Angriffskriege der Sesostridcn-könige zu verschiedenen Zeiten die Eroberung des nördlichen Aethiopiensheutigen Nubiens) sowie der Länder östlich und westlich vom Nilthal,und zwar des ganzen oder eines Theiles des steinigen Arabiens und ei-niger am Meere liegender Striche von Südarabien, und dann die dauerndeHerrschaft über diese Gebiete zur Folge hatten. Est ist aber nirgends er-siclitlich, dass die Sesostriden irgend jemals weitere Eroberungen in West-und Mittelasien gemacht hätten.
Die glänzendste kriegerische Epoche Acgyptens bildete die Regie-rung Ramses' III. oder Sesostris' I. Einige seiner Feldzüge und Eroberun-gen sind verbürgt, andere mehr oder minder wahrscheinlich, die übrigenzweifelhaft.
Zu den ersteren gehören die, über welche die alten Schriftsteller unddie alten Denkmäler dieselben Nachrichten enthalten, nämlich: die Zügenach Aethopien, Arabien und ins erythräische oder indische Meer, unddie Eroberungen dieser Länder. Nachdem er ein starkes Heer zusammen-gebracht hatte (es wird auf 600,000 Mann Fussvolk, 27,000 Streitwagenund 24,000 Reiter angegeben), drang Sesostris zuerst in Aethiopien ein,eroberte es ganz bis an das südlichste. Ende (Meroe) und legte den Be-wohnern Abgaben auf In Gold, Elfenbein und Ebenholz bestehend,. Dannerbaute er am rothen Meere eine Flotte von langen Schiffen*), erobertedas steinige Arabien ganz oder zum Theil, inachte einen Zug zur See bisin den arabischen Meerbusen und ins indische. Meer und eroberte dieKüstenländer Südarabiens und Asiens bis nach Indien hin und einige In-seln im indischen Meere. Als er aber, wie Herodot sagt, »im Weiterschif-fen in ein Meer kam, das vor Seichte nicht mehr schiffbar War«, sah ersich zur Rückkehr gezwungen.
Die darauf folgenden Züge: zur See mit einer zweiten Flotte insmittelländische Meer an die Küsten von Phönizien, — und zu Lande nachWest- und Kleinasien, und die Eroberung der Insel Cypern, der phönizi-sehen Küsten, einiger cykladischen Inseln, Kleinasiens bis nach Thracien— sind nicht verbürgt, aber wahrscheinlich, obschon es möglich ist, dassdie Eroberungen der Aegypter in diesen Gegenden nicht lange in ihremBesitz geblieben sind.
*)_Bei den alten Volkern wurden allgemein die Kriegsschiffe »lange Schiffe« ge-nannt, die Handelsschiffe aber »runde«, wie später angegeben werden soll (VI. Ka-pitel, §. 43),