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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 1 (1874) Von den ältesten Zeiten bis zum Tode Alexander's des Grossen : (323 v. Chr.)
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SO I. Von den ältesten Zeiten bis zum Beginn der gviech.-pers. Kriege.

beruf und der Priesterkaste am meisten und standen in hohen Ehren undAnsehen. Die Söhne der ägyptischen Krieger wurden zu würdiger Erfül-lung ihrer Soldatenberufspflichten durch eine strenge und sorgfältigeallgemeine militärische Erziehung vorbereitet, etwa in derselben Art undWeise wie bei den übrigen Völkern des alten Orients. Nach alten ägyp-tischen Aufzeichnungen hat Sesostris selbst von seinem Vater eine solcheausgezeichnete militärische Erziehung erhalten, mit ihm zugleich wur-den alle die ägyptischen Knaben erzogen, welche am selben Tage mit ihmgeboren waren, wie sein Vater sie hatte zusammenbringen lassen; nachseiner Thronbesteigung (1700) machte er sie zu Anführern im ägyptischenHeere. Alles dies zusammengenommen musste sowohl auf die Waffen-erfolge, als auch auf die Vervollkommnung des Heerwesens und derKriegsthaten von Einfiuss sein.

Die allgemeine militärische Erziehung der ägyptischen Krieger undihre fortwährende Beschäftigung mit militärischen Dingen erklären undbestätigen die Vorzüglichkeit ihrer Organisation und Ordnung, die Männ-lichkeit, Tapferkeit und den kriegerischen Geist derselben, von welchemallen die alten Ueberlieferungen, Volkserzählungen und DenkmälerAegyptens zeugen. Ausserdem erzählen diese Traditionen, dass Seso-stris 1) in dein ägyptischen Heere militärische Ordnung und Subordinationeinführte und befestigte, deren Verletzung, wie die militärischen Ver-gehen andrer Art, streng bestraft wurde, und 2) die Körperstrafendurch Verlust der Ehre ersetzte, welche der Schuldige durch tapfereThaten oder durch Kriegsdienste und Auszeichnungen neu wiedererlan-gen konnte.

Das 15., 14. und 13. Jahrhundert v. Chr. scheinen einen Zeitraumblühenden Bestandes der Heereseinrichtungen Aegyptens zu bilden. Mitdem 12. Jahrhundert tritt eine ersichtliche Erschlaffung und Verfall ein,eine Folge der häufigen inneren Unruhen und Bürgerkriege, wie der ein-reissenden Anarchie. In dem 8. Jahrhundert wird Aegypten durch-denäthiopischen König Sabakon erobert, einige Zeit später entgeht es kaumeiner abermaligen Eroberung durch Sanherib, den König von Assyrien, undUnordnung und Verfall erreichen ihre höchste Stufe. Die dann folgendenBegebenheiten unter Psammetichl. (Gründer der Saitischen, 26. Dynastie),der wiederholt das zerstückelte Aegypten unter einer Regierung zusammen-fasse lassen schliessen, dass in der unruhigen Zeit (1200670) die Kaste"der Krieger unruhigen Geistes und regel- und zuchtlos, wie sie war, denStaat nur schwächen, ja ihm gefährlich werden konnte. Psammetich,der nur mit Hülfe kleinasiatisch-griechischer Hülfstruppen auf den Gi-pfel der Macht gelangt war, gab ihnen ausser dem verabredeten Lohn nochLändereien und reiche Gaben, später vermehrte er sie bedeutend, zeigteihnen mehr Vertrauen als den ägyptischen Truppen, zog sie diesen vor