60 I. Von den ältesten Zeiten bis zum Beginn der griech.-pers. Kriege.
Cavallerie der Völker Mittelasiens die der andern asiatischen und afrika-nischen Völker bedeutend sowohl an Güte der Pferde, als an Geschick-lichkeit der Reiter zum Dienst zu Pferde und an Gewandtheit derselbenzum Parteigängerkriege. Im Vergleich aber zu den Truppen der Grie-chen und Römer standen ganz allgemein die Heere der Völker des Orientsin Bezug auf taktische und innere Einrichtungen auf einer sehr vieltieferen Stufe, obgleich speciell die asiatische und afrikanische Reitereibesser war als die griechische und römische.
Im Allgemeinen charakterisiren sich die Kriege der alten Völker desOrients als grosse Ueberfälle mit Eroberungsabsicht und demzufolge alsrasche und entscheidende Actionen im offenen Felde — gewaltige Völ-kerschlachten , welche entweder die gänzliche Ausrottung, oder die Un-terjochung der Besiegten herbeiführten und über das Schicksal vonVölkern und Reichen entschieden, — oder als Angriffe auf Städte,namentlich reiche und handeltreibende, oder Hauptstädte, deren Ein-nahme durch List, Verrath u. s. w. bewerkstelligt wurde, — oder alslangwierige Belagerungen, langwierig in Folge der Unvollkommenheitder Belagerungskunst.
Die Kunst der Kriegführung und der Action in der Schlacht bestandvorzugsweise darin, den Gegner durch Uebermacht zu erdrücken, indemman die Streitkräfte rasch und entschieden auf einem Punkt vereinigte.Man bediente sich dazu der Verstecke und der List als Hülfsmittel. Des-halb wurden die Kriege der orientalischen Völker stets mit ungeheurenHeeren schnell und entscheidend geführt und bieten fortlaufende Beispielevon Kriegslisten, dem Charakter dieser Völker entsprechend. In derSchlacht lag die Kunst darin, auf den Gegner ungesehen hervorzu-brechen , ihn zu umfassen und von allen Seiten zu umringen, um ihmnicht nur eine entscheidende Niederlage beizubringen, sondern um ihnvollständig zu vernichten.
Da sie rasch und entscheidend geführt wurden, so waren dieseKriege meist von kurzer Dauer, in Uebereinstimmung aber mit den An-lagen und Sitten der alten Völker und mit dem Geiste jener Zeit wurdensie mit Grausamkeit und Unmenschlichkeit geführt und arteten im höch-sten Grade aus in Raub, Plünderung, Verheerung, Blutvergiessen undgrausame Behandlung der Besiegten und Gefangenen.
Dies war der allgemeine Charakter des Heeres- und Kriegswesensder alten Völker des Orients, seinen Hauptzügen nach. Einzelne Be-sonderheiten bei den Hauptvölkern, als: Assyriern, Babyloniern, Medern,Hebräern, Aegyptern und Persern, mögen noch näher betrachtet werden.