1. Die alten asiatischen und afrikanischen Völker und Reiche. ,yj
zu schädigen, endlich auch deshalb, weil sie bei ihren reichen Geld-mitteln es immer durchführbar und bequemer erachteten, den Abgangan Soldtruppen durch rasche Anwerbung neuer Söldner zu decken.Aber ohne das Gefühl der Zugehörigkeit und Anhänglichkeit an das ihnenfremde Land, und nur vom Eigennutz getrieben, beunruhigten die Söld-linge nicht selten das Reich durch Empörung und Verrath, und im Falldes Misslingens und der Gefahr zeigten sie sich schimpflich muthlos. —Dem Beispiel der Phönizier folgten die Aegypter (unter Psammetich'sHerrschaft, Anfang des 7. Jahrhunderts v. Chr.) und die Perser (Endedes 5. Jahrhunderts v. Chr.).
Distriktsaufgebote und allgemeine Volksbewaffnungen kamen imOrient immer vor, und zwar schon seit den ältesten Zeiten. Denn ob-gleich sich nur die Kriegerkasten mit dem Kriege befassten, so wurdedoch in Fällen von besonderer Bedeutung, von dringender Gefahr oderbei allgemeinen Unternehmungen ein grösserer oder kleinerer Theil desVolkes oder das gesammte Volk, zu den Waffen gerufen. Ausserdempflegten die Eroberer im Orient seit undenklichen Zeiten die in ihrenKriegen von ihnen unterjochten Völker mit sich fort zu führen und sichdurch sie zu verstärken. Solche allgemeine Aufgebote, deren bestenTheil und Hauptmacht die stehenden Heere o.der die Kriegerkasten aus-machten , kennzeichneten sich ebenso durch Mangel aller militärischenEinrichtungen, Ordnung und Einheitlichkeit, wie durch grosse Zahl.
Was die Kampfesweise anbelangt, so erreichte sie im Orient keinehohe Stufe und blieb im Verlauf langer Jahrhunderte fast auf demselbenPunkte stehen. Der Orient scheint von jeher in dieser Hinsicht zur Un-thätigkeit verurtheilt gewesen zu sein: dass kein Fortschritt möglichwar, — hierfür lag einer der Gründe , wie schon gesagt, in der Kasten-eintheilung. Die Bearbeitung von Metallen zu geschmiedeten Waffen,die Erfindung und Anwendung von Bogen, Pfeilen, Schleuder, Streit-wagen und Wurfmaschinen, die erste Verwendung von Berittenen, Be-festigungs- und Belagerungskunst, kurz — alle militärischen Erfindungenund Einrichtungen, alle Zweige kriegerischer Thätigkeit hatten ihrenUrsprung im Orient, wurden aber im Abendlande, in Europa, bei denGriechen und Römern vervollkommnet. Und in dem Maasse, wie beidiesen beiden Völkern dies Alles sich fortbildete, nahm es im Orientmehr und mehr den Charakter der Unvollkommenheit und Mangelhaftig-keit an. Dasselbe gilt besonders auch von den Heereseinrichtungen.Die Armeen der verschiedenen Völker mögen verschieden weit gewesensein in der Entwicklung des Ganzen oder einzelner Zweige. So z. B.war im alten Aegypten die Civilisation schon in ältester Zeit sehr vorge-schritten , und so ist wahrscheinlich hier auch die Heereseinrichtungweiter vorgeschritten gewesen, als in andern Ländern. So übertraf die