1. Die alten asiatischen und afrikanischen Völker und Reiche. ß]
I.
Die Assyrier, Babylonier und Nieder.
§•3.Ihre militärische Organisation und Einrichtungen.
Die militärische Organisation der assyrischen, babylonischen undmedischen Monarchie war auf ein und denselben Ursprung gegründetund hatte mehr oder minder einerlei Form und Charakter. Das Staats-oberhaupt, der König, war gleichzeitig auch der oberste Heerführer ihrerganzen bewaffneten Macht. Unter ihm standen die Statthalter als Ver-walter der Provinzen, sie verbanden meist mit der Civilgewalt auchdie militärische, indem sie die Truppen ihrer Provinz befehligten. DerKriegerberuf war, wie oben gesagt, das Vorrecht besondrer erblicherKriegerkasten oder des herrschenden erobernden Volkes; der Krieger-stand genoss grosser Vorrechte und hohen Ansehens. Bei den Medernbesonders ward der Kriegerstand als der edelste, vornehmste, mächtigsteangesehen, ihm stand der Weg zu allen Stufen und Aemtern der Regie-rung offen. Die Angehörigen der Kriegerkaste wurden meist schon infrüher Jugend durch eine allgemeine soldatische Erziehung zu ihremBerufe herangebildet, zu gymnastischen und militärischen Uebungen,zur Jagd auf wilde Thiere etc. angehalten, um die physische und mora-lische Kraft der angehenden Krieger zu stärken und zu entwickeln und'sie zu tapferen, erfahrenen und kriegstüchtigen Männern zu machen. DieKriegerkasten bildeten stehende, in gewissem Grade regelmässig getheilteTruppen, den besten Theil der Streitkräfte des Reiches. Die stehendenHeere bestanden: 1) aus den Truppen der königlichen Leibwache, welchezum königlichen Hofe gehörten; 2) aus den besondern Truppen der könig-lichen Statthalter, der höchsten Staatswürdenträger und Grossen desReiches; 3) aus den für die Provinzen, das Land und-die Städte be-stimmten Truppen, welche zum inneren Dienst im Reiche verwendetwurden. Die Land- oder Provinzialtruppen und die allgemeinen Aufge-bote bestanden wahrscheinlich auf Grund besondrer lokaler Gerecht-same, d.h. die Grundbesitzer stellten eine bestimmte Truppenzahl füreinen gewissen Distrikt, oder je nach ihrem Einkommen. Zu diesemBehuf war die Bevölkerung eingetheilt zu je 10, 100, 1000 und 10,000.Diese Zehntheilung diente auch für die Truppengliederung als Grund-lage. Das gesammte Heer commandirte der König, oder von ihm er-nannte Feldherren aus königlichem Geblüt oder aus der Zahl der Gross-würdenträger , die einzelnen Corpsabtheilungen bedeutende Persönlich-keiten aus dem Kriegerstande, die grossen Grundbesitzer, die Vorstände