1. Die alten asiatischen und afrikanischen Völker und Reiche. 55
waffe: denn die Wirkung der Ersteren war kräftiger und entscheiden-der, als die der Letzteren.
Die Vervollkommnung der Bewaffnung brachte wiederum eine Ver-vollkommnung der Aufstellung und der Kampfesart mit sich. — BeideTheile kämpften wahrscheinlich noch in ungeordneten dichten Haufen,und den Sieg entschied die persönliche Tapferkeit und namentlich dieUebermacht an Zahl und Körperkraft. — Die unmittelbare Folge derverbesserten Bewaffnung war dann die Einführung grösserer Regel-mässigkeit und Ordnung in der Aufstellung und Kampfesart der Heere,da sich die Notwendigkeit hiervon sehr fühlbar gemacht hatte. — DieKrieger theilte man nach der Art und nach der Bezeichnung ihrer Aus-rüstung , indem man Abtheilungen zu Fuss und zu Pferde unterschied,in solche mit Angriffs - Nahewaffen und schweren Schutzwaffen, oder inleichte und mit Fernwaffen bewaffnete..— Das Heer wurde in grössereHaupt- und kleinere Unterabtheilungen getheilt, jede einem besondernFührer unterstellt, die jüngeren Anführer unter ältere. und alle untereinen Oberbefehlshaber. — Endlich gab mau für Aufstellung, Bewegungund Gefecht der verschiedeneu Truppenarten einige, anfangs wohl höchsteinfache, später mehr vervollständigte Regeln. — Die Eintheilung derKrieger nach ihrer Bewaffnungsart in leichte und schwere ergab vonselbst die Unterscheidung der Gefechtsart in zerstreute und geschlossene.Denn die leichten Truppen, mit Fernwaffen ausgerüstet. konnten diesenur in zerstreuter Fechtart frei gebrauchen; die schweren aber, mitNahewaffen versehen, waren auf den Kampf in geschlossener Masse an-gewiesen, um einen möglichst starken Stoss und Schlag auszuführen,wozu sie hauptsächlich bestimmt waren und worin ihre Hauptkraft lag.
Zu dieser Zeit bildete, trotz der Schnelligkeit und entscheidendenStosskraft, mit welcher die Streitwagen und Berittenen kämpften, dasFussvolk doch die Hauptmasse der Heere, und zwar weil es leichterauszubilden, zu unterhalten, und überall zu verwenden war.
Mit der fortschreitenden Vervollkommnung der Bewaffnung, Ein-richtung und Kampfesart der Heere entwickelten und vervollkommnetensieh auch allmälig die andren Zweige des Kriegswesens, die Fortifica-t i o n oder Befestigungskunst und die B e 1 a g e r u n g s k u n s t. Wo festeWohnsitze entstanden, suchten die darin Lebenden ihre Wohnungen undStädte zu sichern, theils indem sie sie auf unersteigbare oder schwerzugängliche Punkte verlegten, auf hohe Felsen, Berge. Vorgebirge etc.,theils indem sie sie mit ErdumWallungen, mit Gräben, Pfahlzäunen,Flechtwerk davor umgaben, später auch wohl hölzerne Thürme in be-stimmten Zwischenräumen auf dem Wall erbauten. Lange Zeit war dieörtliche Lage der hauptsächlichste Schutz der menschlichen Wohnungen,ehe man zu künstlichen Verstärkungen der durch die Lage gegebenen