5Ü I- Von den ältesten Zeiten bis zum Beginn der griech.-pers. Kriege.
Hindernisse fortschritt, und endlich lediglich die künstlichen Befestigun-gen anwendete, welche allmälig vervollkommnet wurden. An Stelle derErdaufwürfe und der Holzumzäunungen wurden die Städte, grössereund namentlich Hauptstädte, mit hohen und dicken Steinmauern um-geben, auch mit steinernen runden oder viereckigen Thürmen, und mitbreiten tiefen Gräben davor. Im Lauf der Zeit wurde allmälig Höhe undDicke der Mauern vergrössert, es wurden mehrere Mauern hinter einandergezogen, und innerhalb der Stadt wurden besondere innere Festungenangelegt, Citadellen, feste Schlösser etc. Um den Raum vor der Mauerbeschiessen zu können, wurden die Mauer bedeutend überragende Thürmeerbaut, etwa auf Pfeilschussweite von einander (ca. 300' = 200"') undvorzugsweise in den ausspringenden Winkeln.
Die Belagerungskunst entstand viel später und gelangte langsamerzur Entwicklung und Vervollkommnung, als die Befestigungskunst.Städte, welche in der angegebenen Weise mit Steinmauern und Thürnienbefestigt waren, galten lange für uneinnehmbar, und man suchte sichihrer durch List oder Bestechung der Einwohner zu bemächtigen, oderaber man schloss sie mit Truppen ein, welche ihrerseits hinter Verschan-zungen gedeckt waren, um durch Hunger die Uebergabe zu erzwingen.Nach und nach verfiel man auf Verwendung andrer Mittel zur Einnahmeder Stadt, wie; Ersteigung der Mauern auf dicht an dieselben heran auf-geschütteten Erdwällen, oder auf Leitern, unterirdische Gänge, um indie Stadt zu gelangen oder die Mauern zum Einsturz zu bringen, Thürmezur Beschiessung der inneren Stadt, Wurfmaschinen, Mauerbrecher etc.
Endlich nahm der Krieg selbst grössere Dimensionen an und wuchsauch an Bedeutung, — die kleinen Familien- und Stammfehden, welchean Stelle des Zweikampfs traten, die häufigen Ueberfalle, die kleinenKämpfe und die Treffen der abgesonderten Stämme , allmälig sich zugrösseren Unternehmungen und Kriegen mit Eroberungszwecken erwei-ternd , gestalteten sich zu wichtigen und grossartigen Zügen und Ein-fällen und zu Völkerschlachten. Schon machte sich im Kriege dasUebergewicht der moralischen über die physischen rohen Kräfte gel-tend. Der schwächere Theil, ausser Stande Gewalt durch Gewalt zuvertreiben, griff wahrscheinlich zur List, indem er der Schlacht aus-wich, den stärkeren Gegner durch kleine Neckereien und wiederholteAngriffe zu schwächen und zu ermüden suchte und das Terrain und dievorhandenen Hindernisse sich zu Nutze machte, oder in Städten die Ver-theidigung durch künstliche Befestigungen stärkte. Dann war auch derstärkere Theil, der keine Möglichkeit' sah, den schwachen aber ver-schlagenen Gegner durch Gewalt allein zu überwinden, gezwungenseinerseits zur List zu greifen, um den Feind zu täuschen, hervor- oderhereinzulocken, zu erreichen und zu schlagen. In diesem Wettkampfe