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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 1 (1874) Von den ältesten Zeiten bis zum Tode Alexander's des Grossen : (323 v. Chr.)
Entstehung
Seite
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48 Einleitung.

schichtliche Literatur bei allem Reichthum und aller Mannigfaltigkeit nochkeine allgemeine Kriegsgeschichte hat, ähnlich der allgemeinenpolitischen. Die Notwendigkeit und der Nutzen der Ersteren sind un-zweifelhaft. Nur aus der allgemeinen Erforschung der Kriegsgeschichte allerZeiten und Völker kann man auf geschichtlichem Wege die nothwendige Kennt-niss von dem Gange und der Entwicklung der Geschichte des Krieges und derKriegskunst in ihrem ganzen Umfange gewinnen und Belehrung über dieseKunst in ihrer höchsten Bedeutung schöpfen, nämlich über die Kunst zusiegen, nicht nur in einer Schlacht oder mit taktischen Mitteln, sondernmit allen militärischen und Kriegsmitteln, durchweiche der Kriegdie von der Politik gebotenen Ziele erreicht. Nur auf diese Weise lassensich aus der Kriegsgeschichte die Grundsätze der Kunst der Kriegführung abs-trahiren, welche zu allen Zeiten unveränderlich dieselben sind, unbekümmertum die Verschiedenheiten in der Bewaffnung der Heere, ihre Aufstellung, dieKampfart, die inneren Einrichtungen, Verwaltung etc. Endlich kann manauch nur auf diesem Wege die Ueberzeugung von dem engen Zusammenhangezwischen der Geschichte des Krieges und der Kriegskunst und derGeschichte der bürgerlichen Gesellschaft und speciell ihrer Civi-lisation gewinnen: denn die Kriegskunst ging mit dieser stets Hand in Handund entstand, entwickelte sich, und verfiel zugleich mit ihr.

In der neueren Zeit seit Wiederbelebung der Wissenschaften im 15. und16. Jahrhundert bis zum Ende des IS. trug die Literatur der Kriegsgeschichte desAlterthumsauch den Charakter blosser Special- oder Einzelgeschichte,und war deshalb einseitig. Die neue Kriegsgeschichte beschäftigte sich imAllgemeinen nur mit den Kriegen und Ereignissen bedeutender Epochen oderPerioden oder Völker, besonders des Alterthums und der Griechen und Römer.Aber hierbei beachtete sie weder die gesammte Kriegskunst, noch sämmtlicheZweige derselben (besonders die Kunst der Kriegführung) im Speciellen, son-dern vorzugsweise Taktik und Belagerungskunst (Schlachten und Be-lagerungen , sieges et batailles, so lautet der Titel und das ist der Inhalt dermeisten kriegsgeschichtlichen Werke im 16.18. Jahrhundert), als ob dieganze Kriegskunst des Alterthums in Diesem allein bestände! Solche sehr engeBeschränkung und Specialität, Einseitigkeit und kleinliche Pedanterie bei Bear-beitung der Kriegsgeschichte des Alterthums war von sehr geringem praktischenNutzen, brachte aber vielen Schaden, indem sie-jenen gewissen erkünsteltenMethodismus erzeugte, der seit dem Ende des 17. bis zum Anfang des 19. Jahr-hunderts herrschte, und dadurch Gang und Entwicklung der kriegsgeschichtlichenWissenschaft verzögerte und folglich schädlichen Einfluss, sowohl auf die Praxis,wie auf die Theorie oder Wissenschaft übte. Die schweren Schläge, welcheder Methodismus, und die grossartigen Lehren , welche die Methodiker durchsolch eminente Feldherren wie Friedrich d. Gr., und selbst durch viele ge-schickte Heerführer zweiten Ranges erhielten, die Alle über ihrer Zeit standen,