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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 1 (1874) Von den ältesten Zeiten bis zum Tode Alexander's des Grossen : (323 v. Chr.)
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Einleitung. 47

Die Literatur der Kriegsgeschichte des Alterthums trägt einen vollkommenverschiedenen Charakter im Alterthum und in der neuen und neuesten Zeit (imMittelalter, wie gesagt, gab es keine;. Im Alterthum war, ihrem Inhalte nach,die Geschichte nur allgemeine, d. h. politische und Kriegsgeschichte zu-gleich, aber Specialgeschichte der einzelnen Völker oder Epochen; dennsie schilderte die politischen und kriegerischen Ereignisse nur der hervorragen-den Epochen oder Perioden und Völker; allgemeine Geschichte allerZeiten und Völker gab es nicht. Die einzige allgemeine Geschichte, des Dio-dorus, reicht nur bis zu den Kriegen Julius Cäsar's in Gallien. Will man eineallgemeine Kriegsgeschichte des Alterthums haben, so muss man jede einzelneQuelle studiren, sie vergleichen und durch einander ergänzen, und daraus dieallgemeinen Folgerungen ziehen. Die Mühe ist nicht gering, und um so grösser,als jeder von diesen alten Historikern seinen besondern Charakter hat, in Be-zug auf Anschauung und Darstellung, und man zum genaueren Verständniss sieim Original in ihrer Sprache (griechisch oder lateinisch) lesen muss. Heutzu Tage ist nun allerdings diese Mühe sehr ei leichtert durch vorzüglicheLieber Setzungen und Commentare mit kritischen Erläuterungen undBemerkungen. Das Studium der Kriegsgeschichte des Alterthums würde abertrotzdem noch sehr schwierig sein, wenn nicht in neuerer Zeit (seit dem 18.Jahrhundert) vorzügliche wissenschaftliche Bearbeitungen (namentlich englische,deutsche und französische; der allgemeinen politischen Geschichtedes Alterthums ihm sehr zu Statten kämen. In diesen Bearbeitungen sindauch die allgemeinen Nachrichten über die Kriege und militärische Dingeenthalten, in soweit sie dem Zweck und Gegenstand einer solchen Geschichtemit angehören. Die eigentliche Kriegsgeschichte, obgleich sie, wiefrüher gezeigt wurde, "mit der politischen Geschichte zusammen entstand, hatdoch als Wissenschaft in dem Sinne, wie wir das jetzt verstehen, sich erst umsJahr 1815 ausgebildet, als die politische Geschichte schon eine bedeutendeEntwicklung erreicht hatte und eine reiche Literatur besass. Und obgleich seit1*S 15 die kriegsgeschichtliche Wissenschaft bedeutende Fortschritte gemachthat, so hat sie doch immer noch, ähulich wie die Geschichte des Alterthums,den Charakter einer Specialgeschichte, indem sie nur Kriege und Kriegs-ereignisse der hervorragenden Epochen oder Perioden oder Völker darstellt;eine allgemeine Kriegsgeschichte des N Alterthums oder Mittelalters,oder der neuen oder neuesten Zeit, oder aller Zeiten giebt es nicht. Kurein Werk, das von Kausler, hat zum Gegenstand die allgemeine Kriegsge-schichte aller Zeiten und Völker, aber es ist leider nicht beendet, da es nurbis zum 15. Jahrhundert geführt ist. Unter den Werken, welche die Ge-schichte der Kriegskunst zum Gegenstande haben, sind ziemlich vielemehr oder weniger befriedigend und vollständig. Woher kommt das? EineFrage, welche hier zu beantworten nicht der Ort ist; es genügt, auf das Fac-tum hinzuweisen und das Bedauern auszusprechen, dass die neueste kriegsge-