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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 1 (1874) Von den ältesten Zeiten bis zum Tode Alexander's des Grossen : (323 v. Chr.)
Entstehung
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Einleitung. 33

hunderts unter Valentinianus II., war Christ, von edler Geburt und hohemRange ; nach Einigen lebte er in Constantinopel, nach Andern in Rom. Beson-ders ist er durch sein Werk: De re militari libriquinque (über Kriegs-wesen fünf Bücher berühmt geworden, welche Valentinian II. gewidmet sind.Nach des Vegetius eigenen Worten ist es nur eine Zusammenstellung aus Werkendes Cato Onsorius, Cornelius Celsus, Frontinus und Paternus, sowie der mili-tärischen Verfügungen des Augustus, Trajan und Hadrian. Der Inhalt ist derfolgende: im 1. Buche über die Rekrutirung der Heere und Ausbildung derRekruten: im 2.über die Legion, ihre Eintheilung, ihre Befehlshaber,ihren Dienst und Bewaffnung; im 3. über bedeutende Kriegsthaten, beson-ders in taktischer Beziehung; im 4. über die Regeln des Angriffs und derVertheidigung von Städten und Festungen; im 5. über die Wissenschaft derSchifffahrt und über die Seemacht des römischen Reiches. Zu einer Zeit ge-schrieben, als die römische Kriegskunst bereits in Verfall gerieth, erweist diesesWerk durch die Unbeholfenheit seines Styles, häufige Unklarheit und Mengevon Wiederholungen seinen Ursprung aus vielen und verschiedenartigen Quellen.Vegetius hält nicht die verschiedenen Epochen und Perioden der Geschichteder römischen Kriegskunst aus einander, vermischt die römischen mit den grie-chischen Kriegsbräuchen, ja selbst seine Schlachtordnung der Legion ähneltmehr der zu seinen Lebzeiten üblichen , als jener der früheren Zeit. Aber beialledem ist Vegetius doch der erste militärische Schriftsteller desAlterthums, der systematisch und ausführlich über alle Zweige derKriegskunst geschrieben hat und ein volles und klares Bild von der Ge-schichte und dem Standpunkt derselben bei den Römern giebt. Deshalb gilt erauch mit Recht in alter wie in neuer Zeit, für eine höchst wichtige Quelle fürdie Erforschung und das Studium dieses Gegenstandes. Der Entwurf ist syste-matisch, das Werk ist reich an klugen und verständigen Regeln, Rathschlägenund Anweisungen bezüglich der Kriegskunst im Allgemeinen und der Kunst derKriegführung im Besonderen. Darum hatte des Vegetius Werk stets solchenbesonderen Werth, darf keinem gebildeten Soldaten unbekannt bleiben undbildet eine der wichtigsten Quellen für die Kriegsgeschichte des Alterthums.

Onosander, ein Schriftsteller des 5. Jahrhunderts, lebte kurz vor der Zer-störung des weströmischen Reichs ; über Zeit und Ort seiner Geburt und seinesLebens ist Nichts bekannt: nach den Einen wäre er ein Zeitgenosse des Trajanund Tacitus, nach Andern des Claudius L, Beides ist ungewiss. Sicher ist nur,dass er Philosoph war, Anhänger der Platonischen Schule, und deshalb be-fremdet es, dass sein uns erhaltenes Werk den Titel führt »Ueber die Feld-herrnkunst« (griechisch tfcpänJY'ixo« Aoyoc), und Lehren für den Feldberrnenthält. Aber man darf nicht vergessen, dass Onosander zu einer Zeit schrieb,als die Kriegskunst und die militärische Disciplin bei den Römern schon voll-ständig in Verfall gerathen war, und die römischen Armeen nicht- mehr dieBarbaren zittern machten, sondern umgekehrt. Und obgleich man in Onosan-

Giilitzin, AUgein. Kriegsgeschichte. 1, 1. 3