30 Einleitung.
Rom selbst beschränken. In militärischer Beziehung bilden seine Werke imGanzen eine vorzügliche Quelle für die Kriegsgeschichte zur Zeit des Tacitus,sowie für die Geschichte der Kriegskunst der Römer und anderer Völker,namentlich der Germanen."'
Plutarch (50 n. Chr. geb., gest. um 130 n. Chr.) mit dem Beinamenvon Chäronea, nach seinem Geburtsort, der Stadt Chäronea in Böotien, ein ge-lehrter und fruchtbarer griechischer Schriftsteller, Lehrer des Trajan (wieEinige meinen) und durch ihn mit bürgerlichen Ehrenstellen bekleidet. Mannimmt an, dasser an 300 philosophische und historische Werke geschrieben,habe, von welchen wir nur 125 besitzen und von diesen werden ihm viele, wiees scheint, mit Unrecht zugeschrieben. Seine historischen Werke stehen höherals die philosophischen und sind für die Geschichte der alten Welt sehr werth-voll, besonders bekannt sind seine 44 vergleichenden Biographien undCharakteristiken berühmter Männer Griechenlands und Romsund ferner Schriften über griechische, römische und ägyptische Alterthümer.In militärischer Beziehung haben seine Biographien besondern Werth, da siedie grossen Feldherron und die geschickten Heerführer des Alterthums glück-lich charakterisiren.
Zum Theil dein ersten, zum Theil dem zweiten Jahrhundert n. Chr. ge-hören an Fronünus und Appianus.
Frontinus (zu Ende des 1. und Anfang des 2. Jahrhunderts) dreimalConsul, unter Vespasian Feldherr in Britannien, ist hauptsächlich durch seinevier Bücher De Strategematibus (über Kriegslisten) bekanntgeworden,welche auf Erfahrungswissen gegründet systematisch geordnet sind. Dieses Werkdes Frontinus ist merkwürdig durch den darin behandelten Gegenstand, der durchseine Beziehung auf einen Zweig der Kunst der Kriegführung interessant wird,;welcher in alten Zeiten in den Massregeln und Handlungen der Heerführer keineunwichtige Rolle spielte, da man den Feind nicht allein durch Gewalt, sondernauch durch List zu überwinden bestrebt war*). In dieser Hinsicht ist das Werkfür Diejenigen von Werth, welche die Kriegssitten und Gebräuche der altenVölker kennen zu lernen wünschen. Es enthält nicht nur Kriegsbeispiele von
t) Cicero sagte : »Der Krieg ist ein Streit, der nicht durch die Gewalt allein, son-dern auch durch Schlauheit und List entschieden wird.« Und ein neuerer Schrift-steller , Folard (s. unten) sagt: »Die ganze Kunst der Kriegführung ist darauf ge-gründet ; es giebt keinen Zweig derselben, welcher nicht List anwendete und daraufhinaus liefe; deshalb setzt ihre Anwendung auch noch mehr Geschick und zu-gleich mehr Kühnheit und Muth voraus, denn ein Feldherr von nur mittelmässi-ger Kühnheit und Muth bewahrt weniger Geistesgegenwart in der Gefahr.« JuliusCäsar selbst hielt, nach dem Zeugniss des Sueton und der übrigen römischen Schrift-steller , es nicht minder rühmlich, durch Klugheit als durch das Schwert zu siegen(Julius Cäsar non minus praeclarum censuit consilio quam gladio superare).Und dies ist auch insofern begründet, als im Kriege es die mit Geschick ge-leitete und mit List gepaarte Kraft ist, welche siegt.