Einleitung. 29
statistisches ist, denn es enthält auch ausführliche Berichte über die Art derVerwaltung, die Sitten und Gewohnheiten der Bewohner jener geschildertenLänder. Seine Nachrichten schöpfte er theils aus eigener Beobachtung, tlieilsaus den geographischen Werken des Hekatäus, Arteifiidorus, Eudoxus und Era-tostheues, dann auch aus historischen und anderen Schriften, und so vollendeteer ein Werk, welches an Reichthum seines Inhalts und an Gründlichkeit allefrüheren gleicher Art übertrifft und eine höchst brauchbare Quelle für das Stu-dium der Kriegsgeschichte und der Geographie des Altertimms bildet.
Joseplms {Flamm), von jüdischer Abkunft, hatte dennoch griechische undrömische Bildung genossen. Nach tapferer Vertheidigung der Stadt Jotapatain Judäa, zur Zeit des Aufstandes der Juden gegen die Kömer, wird er durchdie Letzteren gefangen, befindet sich während der Belagerung Jerusalems beiTitus (G8 n. Chr.) und wird von Titus wiederholt, wenn auch vergeblich, ver-wandt, um die Vertheidiger Jerusalems zur freiwilligen Uebergabe zu bewegen.Er starb in vorgerückten Jahren in Rom. Er schrieb in griechischer Sprache':1) Die Geschichte dieses Krieges, die ausserordentlich interessant und lehr-reich für Alle die ist, welche die Geschichte der Kriegskunst und die Kriegs-geschichte jener Zeiten studiren und erforschen wollen, und 2) »Die jüdischenAlterthiimer«.
Suetonius (70—121 n. Chr.), Rhetoriker und Grammatiker, Freund desjüngeren Plinius, war Geheimschreiber (magister epistolarum) des Kaisers Ha-drian und ein sehr ausgezeichneter Historiograph; er verfasste ausführliche Bio-graphien von 12 römischen Imperatoren von Julius Cäsar biszu D o mi ti an , eine sehr nützliche Quelle für die Geschichte der damaligen Zeit.
Tacitus (57 n. Chr. geboren zu Nero's Zeit, unter Trajan gestorben) istein berühmter und ausgezeichneter römischer Historiker. Wir besitzen vier ver-schiedene Geschichtswerke von ihm: 1) Die Annales, welche die Dar-stellung der wichtigsten Begebenheiten vom Tode des Augustus bis zum TodeNero's umfassen (im Ganzen 54 Jahre); von ihnen fehlen die Bücher 6—10(Jahr 37 bis Jahr 47), ebenso das Ende des 17. Buches (Jahr 68) ; 2) II i —storiae, 14 Bücher, früher geschrieben, in denen Tacitus die Geschichteseiner Zeit beschreiben will; von ihnen sind nur vier und ein Theil des fünftenBuches uns erhalten geblieben (vom Jahr 69 bis einschliesslich das Jahr 71);3) ein sehr schönes historisch-statistisches Werk: De situ, moribus etpopulis Germaniae, in welchem die germanischen Völker, ihre Sitten undGebräuche dargestellt sind (Andere zählen es deshalb mehr zu den politischenRomanen, als zur Geschichte und Statistik); und 4) De vita et moribusCn. Jul. Agricolae über (Biographie des Agricola). Mit- und Nachwelterkennen einstimmig die Werke des Tacitus als vollendete Erzeugnisse eineshöchst bedeutenden Geistes an. An Umfang, Ausführlichkeit und Mannich-faltigkeit stehen die Geschichtsbücher des Tacitus höher als seine Anna-len, welche sich fast nur auf eine kurze Schilderung der Begebenheiten in