26 Einleitung.
benheiten zwischen Rom, Carthago, Macedonien und Griechenland beschreibt,berührt er auch die gleichzeitigen Kriegsereignisse in Griechenland, Kleinasienund Aegypten. An Genauigkeit und Treue der Darstellung und an Reichthumder politischen und militärischen Kenntnisse wird Polybius von keinem Historio-graphen des Alterthums übertrofl'en. In militärischer Beziehung war und istseine Gescjiichte stets die kostbarste Quelle für die Geschichte der Kriegskunstund des Krieges der alten Völker, namentlich der Römer im 2. und 3. Jahr-hundert v. Chr.
Auf Polybius folgen, der Zeit nach geordnet, sechs gleichzeitige Historikerund Schriftsteller des 1. Jahrhunderts v. Chr., und zwar zwei griechische:Diodor von Sicilien und Dionys von Halikamuss ixnd vier römische: JuliusCäsar, Sallust, Titus Livius und Cornelius Nepos.
Diodor von Sicilien (Diodorus Siculus), so genannt nach der Stätte seinerGeburt in Sicilien, der Stadt Argyrion, ist ein berühmter Geschichtsschreiberunter Julius Cäsar und Augustus. Er schrieb die »allgemeine Geschichte«fast aller damals bekannten Völker der Welt. Um hierbei die möglichste Voll-ständigkeit und Genauigkeit zu erreichen, machte er, wie Herodot, Reisen ineinem grossen Theile von Europa und Asien. 30 Jahre gebrauchte er zur Ab-fassung seiner Geschichte, welche er »historische Bibliothek« nannte.Sie zeichnet sich besonders durch Genauigkeit aus, bestand aus vierzig Büchern,von der vorhistorischen Zeit, vor dem trojanischen Kriege bis zum Beginn derKriege Julius Cäsar's in Gallien, ist aber leider fast ganz verloren gegangen:von den vierzig Büchern sind nur fünfzehn: 1—5 und 11—20 vollständig er-halten geblieben, ausserdem Bruchstücke der übrigen fünfundzwanzig Bücher.In militärischer Beziehung ist sie sehr bemerkenswerth und nützlich, weil sieeine Menge interessanter Nachrichten über Kriegswesen und Kriegskunst undüber die Kriege der verschiedenen Völker, namentlich der Römer, enthält undsehr genaue Beschreibungen von Belagerungen von Städten bringt. Sie bildetdeshalb eine der besten Quellen für die Geschichte des Alterthums.
Dionysius von Ualikarnass, nach seinem Geburtsorte Halikarnass, einerStadt der kleinasiatischen Provinz Karien, so benannt, war Lehrer der Bered-samkeit, gelehrter Kritiker und Schriftsteller und Zeitgenosse des Diodorus.Ungefähr ums Jahr 30 v. Chr. war er in Rom und schrieb dort eine römischeArchäologie in zwanzig Büchern, worin er die ältere Geschichte und Ver-fassung Roms von Gründung dieser Stadt bis zum ersten punischen Kriege er-zählte. Wir besitzen davon nur die elf ersten Bücher vollständig und von denübrigen einige Bruchstücke. Seine Geschichte kann sehr nützlich sein — aberbei kritischer Vorsicht; man wirft ihrem Autor, wie theilweise auch dem Dio-dorus und allen griechischen Historikern, vor, nach allgemeiner Gewohnheit derLetzteren den Sitten und Gebräuchen der fremden Völker einen griechischenBeigeschmack gegeben zu haben. In militärischer Hinsicht kann sie, ebensowie die Geschichte des Diodorus, eine gute Quelle für die Kriegsgeschichte des