Druckschrift 
Abth. 1, Das Alterthum Bd. 1 (1874) Von den ältesten Zeiten bis zum Tode Alexander's des Grossen : (323 v. Chr.)
Entstehung
Seite
24
Einzelbild herunterladen
 

24 Einleitung.

in die meisten dieser Länder gemacht hat; über die Gegenden, wo er nichtselbst gewesen ist, bemüht er sich Nachrichten und geschichtliche Notizenaus echten oder glaubwürdigen Quellen zu sammeln. Die Wahrheit seinerAngaben ist durch die neuesten geographischen und ethnographischen Forschun-gen bestätigt worden. Sein Geschichtswerk zeigt klar, dass er einen hohen Be-griff von den Pflichten des Historiographen hatte uud es für wichtiger hielt»wahr zu sein und Glauben zu verdienen, als beredt und anmuthig zu schreiben«.Es giebt Kritiker, welche ihn der Leichtgläubigkeit beschuldigen, als habe erunzuverlässige Ueberlieferungen für geschichtliche Wahrheit genommen, undwelche die bisweilen epische der Uiade annähernd ähnliche Form seiner Dar-stellung bemängeln etc. Aber das kann die unzweifelhaften hervorragendenVerdienste seines Werkes nicht verringern. Namentlich in Bezug auf den Kriegist es eine der ersten und besten Quellen für das Studium und die Kenntnis» desKriegswesens und der Kriegskunst bei den Griechen, Persern und den anderenVölkern jener Zeit der Perserkriege, sowie dieser Kriege speciell mit all' deneinzelnen Kriegsthaten (Schlachten, Belagerungen etc.).

Thucydides (geboren 470 v. Chr. in Athen, gestorben um 3S4 ; ist derbeste der griechischen Schriftsteller. Das Werk, welches den Ruhm seinesNamens begründet hat, heisst: »Beschreibung des Krieges der'Pelo-ponnesier und Athenienser« und bildet acht Bücher, von denen nursieben ganz beendet sind; der Tod des Autors hinderte die Vollendung desachten Buches. Diese acht Bücher umfassen aber nur die ersten 21 Jahre despeloponnesischen Krieges, die letzten (i Jahre werden nicht erreicht. Die Ge-schichtsschreibung des Thucydides ist unzweifelhaft das Product eines tiefendurchdringenden Geistes mit hellem Blick und vollkommen klarem Begriff vomWesen der Geschichte. Sie steht höher als jene des Herodot, denn Thucydideserfasst die Geschichte von einem bei Weitem höheren Standpunkte und machtsie zur Lehrerin nicht nur dessen, was wirklich geschah, sondern auch dessen,was hätte geschehen müssen. Er giebt unübertreffliche Charakteristiken der her-vorragendsten, handelnden Personen und Ereignisse, mit allen Beweggründender Ersteren und Ursachen der Letzteren und mit strenger Sorgfalt folgert erdie historische Wahrheit daraus. Sein Hauptaugenmerk richtet er auf die Poli-tik, aber auch in militärischer Beziehung ist er ein vorzüglicher Kriegshistori-ker, indem er gewissenhaft und klar Rechenschaft ablegt von den Kräften aufjeder Seite, von den Angriffs- und Vertheidigungsmitteln in jedem einzelnenFalle und an jedem Orte und in lebendiger, auf eigene Anschauung gegründeterWeise die Schlachten und Belagerungen schildert (z. B. Platäa, Amphipolis,Syrakus etc.). Sein Geschichtswerk enthält überhaupt in militärischer Beziehungdie vorzüglichsten Nachrichten von dem Kriegswesen und der Kriegskunst derGriechen, von diesem Kriege und seinen verschiedenen Ereignissen und bildetdeshalb eine der hauptsächlichsten und besten Quellen für die Kenntniss dieserDinge