Druckschrift 
Abth. 1, Das Alterthum Bd. 1 (1874) Von den ältesten Zeiten bis zum Tode Alexander's des Grossen : (323 v. Chr.)
Entstehung
Seite
22
Einzelbild herunterladen
 

22 Einleitung.

die Zahl der Schriften und Bücher über Kriegswesen, Kriegskunst und Kriegs-geschichte des Alterthums und vorzüglich der den ersten Hang einnehmendenVölker der Griechen und Römer mit jedem Jahrhundert schrittweise mehrund mehr angewachsen, und in der Jetztzeit bildet sie eine so gewaltige Massevon Druckschriften, dass nicht nur ein ganzes Menschenleben nicht ausreichenwürde, sie zu studiren, sondern dass es schon schwer ist, sie nur alle aufzu-zählen. In dieser Masse historischer Werke steckt, natürlicher Weise, vielSchönes, ja Vorzügliches, aber wohl noch mehr Mittelmässiges, dem allerdingsin mancher Beziehung ein gewisses Verdienst nicht abzusprechen ist und dasdeshalb nicht unbedingt zu verwerfen sein wird. Die Zeit ist dabei gleichgültigund ohne Einfluss: das Gute wie das Mittelmässige ist ziemlich gleichmässigvertheilt auf die gesammte neuere und neueste Zeit, und wenn auch die bedeu-tende Entwicklung und der gewaltige Fortschritt der Wissenschaften in derJetztzeit nicht zu verkennen ist, so folgt daraus doch noch keineswegs, dassAlles, je entfernter von uns, desto schlechter, und je näher, desto besser seinmüsse, oder dass das Allerneueste auch zugleich das Allerbeste sei.

Wenn man nun im Geiste die ganze Reihe der alten Quellen und der neue-ren geschichtlichen Hülfsmittel zur Kriegsgeschichte des Alterthums überblicktund einerseits anerkennt, dass ein Bedürfniss, ja sogar eine Nothwendigkeitvorliegt, einen möglichsten Reichthum an solchen Quellen und Hülfsmit-teln für die historische Forschung überhaupt und in möglichster Vielseitigkeitzu besitzen, andererseits einsieht, wie mühsam, ja geradezu unmöglich und dabeizum Theil nutzlos die Untersuchung ihrer aller, ohne Ausnahme, und in ihrerganzen Vollständigkeit sein würde, so ergiebt sich, dass man bezüglich derKriegsgeschichte des Alterthums eine einsichtsvolle Mitte halten inuss. Fürden praktischen Nutzen des Studiums dieser Geschichte wird es hinreichen, sichauf die Bezeichnung der hauptsächlichsten, wichtigsten, besten und werthvoll-sten Quellen und Hülfsmittel und ihrer hervorragendsten Verdienste oder Mängelzu beschränken, und demnächst auf eine kurze Angabe derjenigen zweitenRanges, welche in einer oder der anderen Beziehung eine grössere oder gerin-gere Bedeutung haben. Eben eine solche Zusammenstellung und Auswahlist die folgende.

1. Alte Quellen.

In der ersten Hälfte dieser Einleitung wurde bereits erwähnt, dass dieälteste, sichere und glaubhafte Geschichte, welche vollständiguns erhalten geblieben, dem hebräischen Volke angehört und in den sogenanntenhistorischen Büchern der heiligen Schrift alten Testamentsenthalten ist. An ihrer Spitze stehen die Bücher des Propheten Moses:erstes Buch Genesis, zweites Exodus, drittes Numeri, auf siefolgen: da s Buch Josua, Buch der Richter, Bücher der Könige ,der Chronik, Buch Ruth, Buch Esra, Nehemia, Tobias, Ju-