20 Einleitung.
serm Jahrhundert ist sie auf ihre eigeneZeit und fortschreitend indie Zukunft gerichtet, — folglich stehen sich beide Richtungen diame-tral entgegen. — Welche von beiden ist vom praktischen Standpunkt aus dierichtigere und bessere? — Unzweifelhaft die zweite mehr als die erste. Beialler Achtung vor dem verdienstvollen Fleisse der militärischen Schriftstellerdes 15.—18. Jahrhunderts (also der ersten Richtung], wohin hat ihre leiden-schaftliche Vorliebe für das klassische Alterthum geführt'? —
«Zu kleinlicher und trügerischer Pedanterei und Methodis-mus, welche für den Standpunkt der Praxis nicht blos unfruchtbar und nutz-los , sondern mehr oder minder schädlich waren. Einen Beleg dafür bildetjener unsinnige Methodismus in Taktik und Kriegführung zu Ende des i7.und Anfang des 18. Jahrhunderts, und weiter im ganzen 18. bis in den Anfangdes 19. Jahrhunderts hin, welcher selbst den harten Schlägen trotzte, die erdurch die Thaten so vieler aus der gewöhnlichen Bahn und Reihe herausgehen-der Heerführer, namentlich aber der Feldherren ersten Ranges, wie Friedrichd. Gr., Napoleon, und unter den russischen — Suwaroff, erhielt. Der Metho-dismus hatte aber so tiefe Wurzeln geschlagen, dass sich die Geister kaum erstnach IS 15 davon losringen konnten, als mitten im Frieden, nach den grossenund anhaltenden Kriegen, die Wissenschaft den ganzen angesammelten Vor-rath an Erfahrungen aus der Kriegsgeschichte der nächst vergangenen wieauch der entfernteren Zeitabschnitte kritisch und von allen Seiten zu bearbeitenund zu vergleichen begann, Schlussfolgerungen daraus zog, und lehrreiche undnützliche Fingerzeige, Regeln und Lehren für die Praxis hiervon abstrahirte.In den 57 Jahren seit jener Zeit hat die Wissenschaft, — man kann es dreist be-haupten — , bedeutend mehr in dieser Hinsicht gethan, als die ganzen dreiJahrhunderte (16.—-18.) vorher, und hat eine praktisch-nützliche Entwicklunggewonnen, wie nie zuvor. Und dies verdankt sie unzweifelhaft vorzugsweiseden Deutschen, ganz wie die frühere falsche Richtung den Franzosen. Nirgendsist sie so breit, tief und vielseitig bearbeitet worden , wie in Deutschland undspeciell in Preussen, hier ist sie, wie alle Kriegswissenschaften, auf ihrejetzige Höhe gehoben worden.
Bei alledem darf der Gerechtigkeit wegen nicht verschwiegen werden,dass in unsern Tagen sie fast aus einem Extrem ins andere fiel, — von dervorzugsweisen Bearbeitung-des klassischen Alterthums, wie es früher geschah,in die vorzugsweise Behandlung der zeitgenössischen Kriegsbegebenheiten, wiejetzt. Ohne den praktischen Nutzen, ja die Unentbehrlichkeit der Letzterenläugnen zu wollen , kann man doch nicht umhin , zu bedauern, dass dadurchin gewisser Weise die Gleichmässigkeit und Unterschiedslosigkeit verletzt wird,von welchen vorher die Rede war, und eine gewisse Ausschliesslichkeit unddemzufolge Einseitigkeit herbeigeführt wird, von welcher die Wissenschaft freibleiben sollte. Noch einmal sei die Wahrheit hervorgehoben, welche schonoben von den ersten militärischen Autoritäten ausgesprochen wurde: »Die