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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 1 (1874) Von den ältesten Zeiten bis zum Tode Alexander's des Grossen : (323 v. Chr.)
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Einleitung. 19

Erfahrung, und zwar deshalb, weil das Leben keines Menschen so reichan Thaten sei, um im vollen Maasse Erfahrung zu gewähren, und weil Niemanddie schwere Kunst des Feldherrn früher übte, ehe er diese hohe Stellung er-reichte. Deshalb müsse der Feldherr, bevor er selbst eigene Erfahrung er-langen könne, nothwendigerweise sein eignes Wissen durch Anderer Erfahrung,durch Kennfniss und Würdigung früherer Forschungen, sowie durch den Ver-gleich berühmter Kriegsthaten und folgenreicher Ereignisse aus der Kriegs-geschichte ergänzen. '

Den Aussprüchen der drei Genannten, Friedrich d. Gr. , Napoleon undErzherzog Karl, ist also derselbe Gedanke gemeinschaftlich, dass der per-sönlichen Erfahrung der Feldherren schlechterdings vorausgehen müsse einewissenschaftliche militärische Durchbildung im Allgemeinen,besonders aber das Studium der Kriegsgeschichte, der Fe 1 dzügeund Kriegsthaten der grossen Heerführer aller Zeiten, desAlterthums wie der neueren Zeit.

Die Zeugnisse der soeben genannten grossen Kriegs-Autoritäten und allerDerer, welche in dem Gebiete des Krieges und der Kriegswissenschaften allerZeiten und Völker mitwirkten, endlieh auch die Ueberzeugung unsres eignenVerstandes lassen, wie es scheint, auch nicht den leisesten Zweifel aufkommenüber den unwiderleglichen Nutzen des Stadiums der Kriegsgeschichte allerZeiten ohne Unterschied und der Kriegsthaten aller geschicktenHeerführer im Allgemeinen, der grossen Feldherren aber speciell,welcher Zeit sie auch angehören mögen.

Wenn wir aber in dieser Hinsicht die drei Hauptabschnitte der kriegsge-schichtlichen Wissenschaft: Alterthum, neuere und neueste Zeit mit einandervergleichen, so müssen wir doch in der Richtung derselben auffällige Ver-schiedenheiten zwischen ihnen bemerken. Die Kriegshistoriker und Schrift-steller des Alterthums erzählen unterschiedslos und in gleicher Artdie Kriegsbegebenheiten der verschiedenen Zeiten und Völker, oder eines be-rühmten Zeitabschnittes oder Volkes, oder ein endlich ihnen räumlich oder zeit-lich nahe liegendes Ereigniss, an dem sie oft selbst theilgenommen hatten. Im15. und 16. und bis zum Ende des 18. Jahrhunderts widmeten die Militärschrift-steller ihre Aufmerksamkeit und ihren Fleiss den kriegerischen Ereignissen undden Musterschriften des klassischen Alterthums vorzugsweise und mehr alsden näher liegenden oder ihrer eigenen Zeit angehörenden; und in der neueren Zeitsind es umgekehrt, die in ihrer Nähe geschehenden oder die zeitgenössischen Be-gebenheiten, denen sie ihre besondere Aufmerksamkeit schenken, mehr als denweiter entlegenen des Alterthums und selbst des 18. Jahrhunderts. Mit anderenWorten : die wissenschaftliche Kriegsgeschichte hatte bis zum Ende des 18. Jahr-hunderts eine dem klassischen Alterthum zugewendete Richtung, in un-

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