18 Einleitung.
Erstere muss, sehr natürlich, dem Zweiten vorausgehen. Dies wird durch denVerstand, wie durch die Geschichte bestätigt: alle grossen Feldherren haben sichin ihren jungen Jahren durch Leetüre und Studium gebildet. Alexander d. Gr.,der die sorgfältigste und umfassendste griechische Bildung in allen Zweigen desWissens erhielt, erlernte die Kriegskunst, unter dem Uebrigen, durch Leetüreder Ilias des Homer, für welchen er solche Vorliebe hegte, dass er die Uiadein allen seinen Feldzügen mit sich führte, sie in einer goldenen Lade aufbe-wahrte, inmitten seiner kriegerischen Beschäftigungen darin las, selbst am Vor-abend der Schlacht, und des Nachts sie neben seinem Schwerte unter sein Kopf-kissen legte. Von Hannibal ist es bekannt, dass er eine sehr sorgfältige grie-chische Bildung empfing, die griechischen Historiker studirte und sogar selbsteine Kriegsgeschichte verfasste, welche leider nicht auf uns gekommen ist.Julius Cäsar war einer der gebildetsten Männer seiner Zeit; es vereinte sichin ihm mit dem Ruhme des grossen Feldherrn in würdigster Weise der des ge-wandten Redners und des vorzüglichen Schriftstellers. In der neueren Zeithaben sich Gustav Adolph, Friedrich d. Gr. und Napoleon I. in jungen Jahren,wie im reifen Alter durch gelehrtes Studium hoch gebildet, wie Julius Cägarwaren sie grosse Feldherren und zugleich die gebildetsten Männer ihrer Zeit inallen Zweigen des Wissens im Allgemeinen und in den militärischen im Beson-dern. Peter d. Gr. konnte, in Folge der damaligen Verhältnisse, in seinerJugend keine gründliche und umfassende kriegerische Ausbildung erlangen, erbildete sich aber in der Folge selbst weiter und gelangte bei seinen ausserge-wöhnlichen Naturanlagen und dem hohen Grade in ihm vereinigter Geistes- undWillenskraft auf die Höhe eines im vollen Sinne gebildeten grossen Feldherrn.Und was Suwaroff anbelangt, so weiss ein Jeder aus seinem Leben, dass er inseiner Jugend die Einsamkeit und das Bücherstudium liebte, — seine Lieb-lingsschriftsteller waren die Historiker, vornehmlich die Kriegshistoriker, undin seinen späteren Jahren gehörte auch er zu den gebildetsten Männern seinerZeit. In der Jetztzeit, bei der bedeutenden Erweiterung des allgemeinen undbesonders des militärischen Wissensgebietes, würde es höchst ungenügend sein,bei den ersten Anfängen der Ausbildung stehen zu bleiben, der allgemeinenund militärischen, wie wir sie in unsrer Jugend erhielten —, vielmehr ist es un-erlässlich, sie später beständig und selbstständig weiter zu führen, wenn maneine gründliche militärische Bildung gewinnen will, welche auf allen Stu-fen und in allen Stellungen, bis zu den höchsten einschliesslich, durch Thatennutzbar werden soll. Die verständige Mitte zwischen der gleich schädlichenUnwissenheit und Ueberbildung liegt in der wahren Bildung,welche niemals schädlich, sondern immer nur nutzbringend sein kann.
Der dritte Ausspruch , vom Erzherzog Karl, der selbst ein hochgebildeterFeldherr und Militärschriftsteller war, sagt es unumwunden, bestimmt undklar heraus, dass, um den Feldherrn zu bilden, wissenschaftlichesStreben und Erkennen höher stehe, als persönliche praktische