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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 1 (1874) Von den ältesten Zeiten bis zum Tode Alexander's des Grossen : (323 v. Chr.)
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Einleitung. 15

und Urtheil. Die Ereignisse nähren die Phantasie, erfüllen das Gedächtniss,und das Urtheil klärt diesen Vorrath von Ideen.

Die beiden sehr bemerkenswertheil Aussprüche Napoleon's I. drücken deuGedanken aus, dass man dieKenntniss der höheren Taktik (d. h. der Kunstder Kriegführung) nur durch E r f a h r u n g u n d w i e d e r h o 11 e s L e s e n u n dStudiren der Feldzüge aller grossen Heerführer (deren er siebennamhaft macht) erwerben könne, indem man sich nach ihrem Vorbilderichte und wie sie Offensivkriege führe; darin findet Napoleon I.das einzige Mittel, wie man ein grosser Feldherr werden unddas Geheimniss der Kunst erlangen könne.

Diese in wenigen Worten und Zeilen ausgesprochenen Gedanken Napo-leon's I. enthalten einen weiten und tiefen Sinn. Die Analyse und Erläuterungdesselben gaben dem preussischen General von Lossau Gelegenheit zu einertief gedachten, edel empfundenen und überzeugend geschriebenen Vorredezu seinem Werke; »Ideale der Kriegführung«'"'.. Die hauptsächlichstenund bemerkenswerthesten Gedanken v. Lossau's sind in dem Folgenden ent-halten : »Wenn Napoleon im Ernste geglaubt hat, seinen Lesern die Wahrheit(NB. Faites la guerre offensive etc.) zu sagen, woran sich nicht zweifeln lässt,so hat derselbe uns wirklich ein schweres, des Nachdenkenswerthes Problem hinterlassen. ... Es ist allerdings leicht gesagt,den Offensivkrieg so, wie jene grossen Männer, zuführen, allein schwer, solcheVorschrift auszuüben. Napoleon bezeichnet uns zwar als ein Hülfsmittel, mansolle ihre Feldzüge oft lesen. Aber die grösste Kenntniss und Vertrautheit mitallen jenen Begebenheiten wird an sich noch keinen grossen Feldherrn hervor-bringen. . Nur ein einziger Gedanke verdient im höchsten Grade unsere Auf-merksamkeit. Er ist in den vier Worten enthalten :

»Modelez-vous sur eux«,

und sagt so unendlich viel, dass er von der ganzen Anforderung als die Haupt-bedingung betrachtet werden muss. Verbindet man hiermit die Bemerkung desgrossen Königs Friedrich: »que les faits passes sont bons« etc. (siehe dasEpigraph in der russischen Auflage), alsdann scheint sich zu ergeben, aufwelche Art jene Vorschrift betrachtet werden muss.« ... »Es ist be-kannt . dass der Sinn und das Gefühl für das Erhabene und Grosse sich erstspät in dem Menschen entwickelt. Fehlt aber jener Sinn , so wird die That,auch wenn sie sich von selbst darböte, noch weit mehr fehlen.« »Alle unsvon Napoleon genannten Herren werden selbst dem von Wissenschaft erleuch-teten, aber jenes Sinnes beraubten Kopf höchstens als merkwürdige Phänomene,die man kennen muss, und deren Erscheinung man auf historischem Wege zer-gliedern gelernt hat, nicht aber als entflammende, Herz und Gemüth ent-

*) Ideale der Kriegführung, in einer Analyse der Thaten der grössten Feld-herren, von dem Generallieutenant v. Lossau. 1. Bd., 1. Abthl. Berlin 1830.