4 Einleitung.
fange internationaler Beziehungen, welche die ersten Grundlinien des späterenSystems der europäischen Politik bildeten. Und in dem Wesen undder Kunst der Kriegführung ging mit der Einführung der Feuerwaffen einesolche Umwälzung vor sich, dass die gesammte Kriegskunst eine gegen frühervollkommen veränderte Richtung nahm. In dieser Weise gewannen Politik undKrieg gleichzeitig einen entschiedenen Einnuss auf Wesen und Charakter derhistorischen Wissenschaft, und hier beginnt die Unterscheidung in politischeund eigentliche Kriegsgeschichte. Die Erstere fing an, sich vorzugs-weise mit politischen Begebenheiten zu beschäftigen, ohne sich umständlicherauf die kriegerischen einzulassen; die Zweite aber richtete umgekehrt ihreAufmerksamkeit, anfangs vorzugsweise, später fast ausschliesslich auf die Er-forschung der kriegerischen Begebenheiten, der politischen eben nur des noth-wendigen Zusammenhangs wegen Erwähnung thuend. Hier, in dieser Theilungder historischen Wissenschaft, liegt daher der Ausgangspunkt des neuen abge-sonderten Zweiges derselben, — der Kriegsgeschichte. Aber der Gangund die Entwicklung der Letzteren waren anfänglich ziemlich langsam. DerNimbus und die Einwirkung der klassischen Muster des Alterthums waren sostark und andauernd, dass die neue Richtung, aus der Kraft ihres eignenWesens emporwachsend, noch einen harten und langen Kampf gegen die altezu bestehen hatte. Drei Jahrhunderte währte dieser Kampf (1.6., 17. und 18.),anfangs stärker, später schwächer. Das Alte hielt sich hartnäckig, aber dasNeue wuchs und erstarkte. Während des 15. und 16. Jahrhunderts wurdenvorzugsweise Geschichtswerke der alten Schriftsteller herausgegeben und über-setzt , vereinzelt erschienen neue, politische und kriegsgeschichtliche, meist inlateinischer Sprache. Im 17. Jahrhundert nahm die Zahl der rein kriegsge-schichtlichen in neueren Sprachen geschriebenen zu, jener in lateinischerSprache ab; dennoch war der Einfluss des klassischen Alterthums noch vor-herrschend. Ja, er setzte sich sogar bis ins Ib. Jahrhundert fort, besondersin Frankreich, und obschon die Kriegsgeschichte, wie die politische, sich be-reits merklich entwickelte, und an Selbstständigkeit gewann, so war dennochdie Vorliebe für das klassische Alterthum bis ans Ende des 18. Jahrhundertssehr stark. In Frankreich'führte sie schliesslich zu unpraktischer, klein-liche]' und schädlicher Pedanterie, wie sie namentlich in der Aufstellung vonC o m m e n t a r e n zu den historischen und militärischen Schriftstellern desAlterthums und zu den Kriegsbegebenheiten der alten Zeiten hervortrat. Ausdieser Richtung der kriegsgeschichtlichen Wissenschaft erwuchs zwar immerhineiniger Nutzen (wie z. B. aus der fortgesetzten Polemik über die alte tiefe,oder die neue breite Schlachtordnung), aber kaum wohl war dieser grösser, alsder Nachtheil, den sie brachte, denn der eigentliche praktische Werth der-selben war im Ganzen sehr gering. Nichts desto weniger machte aber die Wissen-schaft der Kriegsgeschichte auch im 18. Jahrhundert grosse Fortschritte undhätte unzweifelhaft noch bedeutendere gemacht, wäre sie nicht auf dem siehe-