Einleitung'. 3
Kriege waren entweder kleine Stauimfehden oder grosse Volkskriege, Er-oberungs- oder Bürgerkriege oder sogar Weltkriege , wie jene der Griechengegen den Orient und der Römer gegen die ganze damals bekannte Welt undzuletzt gegen die Völker des Nordens und Ostens, welche endlich das abend-ländische römische Reich zertrümmerten. Dabei bestand in den alten Zeitenstets und überall eine allgemeine Verpflichtung zum Kriegsdienste. jeder Bür-ger war Krieger, der Kriegerberuf war der wichtigste und ehrenvollste, und diehöchsten Führer in Gemeinde und Staat waren damit zugleich die Führer imKriege. Dem Allen entsprechend war in jener Zeit die Geschichte, wie die ge-satmnte Literatur, fast immer, wie ein neuerer französischer Hellenist *) sagt:»als Resultat der damaligen allgemeinen Zustände waren auch die alten Hi-storiker nicht ausschliesslich Stuben gelehrte, sondern immer die Führer in Ge-meinde und Staat, in Politik und Krieg, oftmals Feldherren , mit einem WortBürger, welche mit dem gesammten politischen Leben in dauernder Be-rührung blieben und welche schrieben , weil sie lebten , aber nicht lebten , umzu schreiben«.
Mit dem Falle des weströmischen Reiches verfiel während der in denJahrhunderten des Mittelalters um sich greifenden Unwissenheit und Barbareidie Geschichte als Wissenschaft und sank herab auf die Stufe blosser Chro-niken oder Annalen, welche auf den Ueberlieferungen und Schriften inschlechtem Latein im westlichen Europa, oder in schlechtem Griechisch im ost-römischen oder griechischen Kaiserreiche fussten. In diese Chroniken wurdenauch Nachrichten über Kriege, kriegerische Begebenheiten etc. eingetragen,aber obgleich sie reiches Material für die Kriegsgeschichte jener Zeiten enthal-ten, so haben doch nur wenige derselben wahre kriegsgeschichtliche Bedeutung.
Erst mit der Wiedergeburt der Künste und Wissenschaften im abendlän-dischen Europa, im 15. und besonders im 16. Jahrhundert, lebte auch die Ge-schichte wieder auf, anfangs im Sinne einer Nachahmung der alten klassischenMuster und unter Anwendung der corrumpirten lateinischen Sprache, weshalbsie auch noch einen dem alten ziemlich ähnlichen Charakter behielt, d. h. zu-gleich politische und Kriegsgeschichte war. Aber da der gesammfe Standpunkt,sowohl des Einzelnen, als des bürgerlichen und' staatlichen, politischen undkriegerischen Lebens bereits ein vollkommen andrer als jener der alten Zeitengeworden war, so erhielt demgemäss auch die historische Wissenschaft allmäligeine neue Richtung. Zwischen den Reichen West-Europas entstanden die An-
*) Gail, in seiner Vorrede zur Uebersetzung der Geschichte des peloponnesi-schen Krieges von Thucydides, enthalten im ersten Theil der Bibliotheque historiqueet militaire, publice par Liskenne et Sauvan, Paris 1838.
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