2 Einleitung.
ter Anderem, auch Mitteilungen über Kriegs begebenheiteil, Wesen undKunst bei den hebräischen und den übrigen Völkern des alten Orients. Und sohat schon die erste glaubwürdige, in der Bibel aufgezeichnete Geschichte einentheihveise kriegsgeschichtlichen Charakter.
Nach den Juden im Orient erscheint die Geschichte im 12. Jahrhundertv. Chr. zuerst in Europa — bei den Griechen, denen später beschieden war,an der Spitze derselben und der ganzen Civilisation der alten Welt zu steheu.Und obgleich die Geschichte bei ihnen zuerst in der Form eines epischen Ge-dichts auftritt, — der Iliade des Homer, so hat sie dennoch, dem Gegen-stände nach, der dessen Inhalt bildet, — die 10jährige Belagerung Trojasdurch die Griechen und die damit zusammenhängenden Kriegsthaten der Grie-chen und Trojaner, —sowie wegen der im Epos enthaltenen Schilderungenvon Kriegswesen und Kriegskunst, Sitten und Gewohnheiten Dieser undder Anderen, schon halb den Charakter der Kriegsgeschichte.
Sieben Jahrhunderte später, im 5. Jahrhundert v. Chr., beschrieb Hero-clot, der den ersten Grund zur historischen Wissenschaft legt und deshalb derVater der Geschichte genannt wird, in seinem grossen Meisterwerke dengriechisch-persischen Krieg, und unmittelbar nach ihm Thucydides den p6lo-ponnesischen. Und Xenophon, den Thucydides fortsetzend, verfasste dieCyropädie oder die Geschichte des persischen Eroberers, des älteren Cyrus,und die Anabasis oder den Feldzug des jüngeren Cyrus in Oberasien undden Bückzug der 10,000 Griechen von dort nach Kleinasien. In den Meister-werken dieser drei ersten und ausgezeichneten Historiker Griechenlands hatdie Geschichte schon vorzugsweise den Charakter der Kriegsgeschichte.Sie bewahrt diesen Charakter auch in den Werken der folgenden besten grie -einsehen Geschichtsschreiber: Polybius, Diodorus, Dionysius, Arrianus,Plutarch und Anderer, sowie später der römischen : Julius Cäsar, Sattust,Titus Livius, Tacitus, Cornelius Nepos etc. Bei einigen derselben, wiez. B. bei Xenophon, Arrianus und besonders bei Julius Cäsar hat die Ge-schichte sogar fast ausschliesslich den kriegsgeschichtlichen Charakter.
In dieser Weise war im Alterthum die Geschichte, seit ihrem Anfang beiden Juden bis zur Zerstörung des abendländisch-römischen Bciches und inner-halb desselben für jedes Gebiet der alten Welt, immer mehr oder minder ihremCharakter nach nicht politische , sondern, oft hervorragend , bisweilen sogarfast ausschliesslich Kriegsgeschichte, ohne indessen aufzuhören, sowohl ,bei denGriechen wie bei den Körnern, die eine allgemeine Bezeichnung »Geschichte«zu führen. Die Gründe hierfür sind sehr natürliche und leicht einzusehen. Injenen alten Zeiten der Uranfänge zur Bildung von staatlichen Gemeinwesenund grossen Keichen war der Krieg, so zu sagen, fast der Normalzustand derVölker und Reiche und während der Dauer von 30 Jahrhunderten (vom 25.vor bis zum 5. nach Chr.j würde man kaum ein Jahr ausfindig machen können,in welchem nicht Kriege stattgehabt hätten. Diese fast ununterbrochenen