Venus.
Wir haben ausführlich von einer Statue gesprochen, die derKünstler aus edlem Ehrgeitz in Florenz aufgestellt, um diemediceische Venus zu ersetzen. Die, die wir hier vor unshaben, ist fast nur eine Copie seines ersten Werks. In einerdritten Venus hat Canova noch mehrere Nebensachen modi-ficirt, ohne dass seine Composition den Charakter, und dieGestalt den Ausdruck gewandelt hätte. Es ist immer dieKönigin der Liebe, wie sie aus dem Bade steigt, beschäftigtihre Reitze zu verschleiern,, und die Leinwand, die sie be-dechen soll, dem feuchten Körper anzulegen.
Der Pallast Pitti hat sich mit dem ersten Gedanken desKünstlers bereichert ; seine dritte Venus besitzt der Kron-prinz von Baiern ; die zweite, die wir hier betrachten, ward,wie man sagt, für den Prinzen von Canino gefertigt, und istjetzt in London in der Galerie des Marquis von Landsdownezu sehen.
Derselbe Künstler hat noch eine vierte in den Händendes Banquier Thomas Hope gelassen.
Man erzählt Canova sey, im Augenblicke wo er dieseVenus ausführen wollte (er vollendete sie gegen das Jahr 1810),glücklich genug gewesen, unter den Fürstinnen jener Zeitein Modell zu finden, das so gefällig war, ihm für alle Ein-zelheiten der Stellung, und selbst für die Umrisse zu ste-hen. Eine Frau von etwas bürgerlicher Sittsamkeit wun-derte sich über diese Aufopferung und sagte einst in Ge-genwart des reitzenden Modells: „Ist es wahr dass Sie sovor dem Künstler gestanden sind, ohne alle Bekleidung?" —Oh, meine Liebste, antwortete die Fürstin, es war nicht kalt,ich versichre Siej man hatte in Canova's Attelier ein sehrgrosses Feuer angezündet!