Ganova's Bild.
Diese Büste, von colossalcr Grösse, ward im Jahre 1812begonnen und vollendet. Nur der erlauchte Bildner seihstkonnte seine eigenen Züge uns auf eine würdige Weise wie-dergeben. Wohl hundertmal war sein Bild von geschultenKünstlern auf Leinwand oder in Marmor entworfen worden,und dennoch wollte es nicht genügen, Ausser der grossenSchwürigkeit, seine Züge auch nur materiell aufzufassen,zeigte sich immer nach Beendigung der Arbeit, dass sichauch noch ein anderer verrechnet habe : und das war derZuschauer, der erwartet hatte, einen erhabenen Ausdrukin der Physionomie des grossen Meisters zu finden, und jeztüber den Ausdruk gemeiner Güte, zuweilen sogar übelvcr-stekten Verdrusses, traurig betroffen stand»
Gewöhnlich lag die Ursache hievon in einer gezwun-genen Hingebung von Seiten des Modells, und in den Schran-ken eines Talents, das nur die Linien, die Umrisse, dieForm eines Kopfes wiederzugeben wusste, in dem sich keineMuskel regt, wo keine Leidenschaft spricht.
Was Canova unternahm, war nichts leichtes* Ermüdetvon so viel unglüklichen Versuchen wollte er den moralischenTheil seines Wesens abbilden, ohne dem physischen zuschmeicheln. Er studirte sich daher in dem Augenblicke, wodie Kunst ihn begeisterte. Er beseelte seine Gestalt mitdem Feuer, das Jupiter allein dem Menschen des Prome-theus mittheilen konnte.
Und wirklich, jeder Zug dieser Physionomie hat ein neuesLeben, und eine inspirirte Bewegung. Seine Augen scheinendie ganze Zukunft von Talent und Buhm gemessen zu ha-ben, die ihm vorbehalten war» Die Form von jedem Zugeist auf einen grossen Character, auf die höchste Erhebungdes menschlichen Gedankens gegründet. Dabei hört die Achn-lichkeit nicht auf vollkommen zu seyn,
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