Calliope.
Die lyrische Begeisterung und der mächtige Genius, welchedie Erzeuger der Epopee sind, haben ihre Personificirungin dieser Muse gefunden. Ihren Namen verdankt sie derSchönheit ihrer Stimme. Man sagt, Calliope sey die AmmeHomers gewesen. Nach den Ideen der alten Mythologie musssie einen Virgil, Milton und Tasso begleitet haben. Sie be-günstigte den heiligen Wahnsinn eines Pindar und die Müsseeines Horazj sie hört nicht auf unsre deutschen Dichter zubegeistern. In Frankreich hat sie einem J. B. Rousseau, ei-nem Lebrün gelächeltj aber nur in ihrer bescheidensten Ei-genschaft. Schwerlich wird die epische Krone ein französi-sches Haupt je schmücken. Man muss die falschen Götterverachten können, wenn man sich durch die Wahrheit er-heben will. Wenn die Dichter ächte Gefühle an die Stelleconyentioneller Fabeln setzen, wenn ihr Wunderbares derMensch und seine Leidenschaften ; ihre Begeisterung, Tugendund Vaterland seyn wird} dann mögen sie hoffen! Wenndie Seele gereinigt ist wie ein Tempel, sagt Frau y. Stael,so werden die erhabenen Gedanken nicht verschmähen, darinzu erscheinen.
Canova hat diese Büste in Marmor ausgeführt, um sieeinem Dichter, Herrn Rosini, geschätztem Professor an derUniversität zu Pisa, darzubringen, dessen Name jedoch nochnicht europäisch ist. Der Besitzer hat dieses Bild voll Adelund Schönheit in einem kleinen Tempel, mit dem er derFreundschaft und den Musen zugleich gehuldigt hat, auf-gestellt.
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