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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
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558 IV. Von Augustus bis zum Untergang des Weströmischen Eeiehes.

Stewechius, legt ihm auf Grund einer alten Handschrift den TitelComes Constantinopolitanus bei, was eine noch höhere Rangstufebedeutet; endlich lebte er, nach den Einen in Constantinopel, nach denAnderen in Rom, vielleicht auch in Trier, wo Valentinian II. residirte.Wie gesagt aber, das Verdienst des Vegetius liegt nicht in seinemhohen Range, sondern in seinem einzigen und sehr bedeutenden Werke,das er. wie er sagt, nach alten grossen Mustern zusammengestellthat. Selbst wenn er dies nicht bemerkt hätte, so würde sein Werk durchseinen umfangreichen Inhalt, häufige Dunkelheiten und vielfache Wie-derholungen von selber seinen Ursprung aus vielen verschiedenen Quellenverrathen, mit einem Worte sich als eine Compilation darstellen. Es istzu beklagen, dass bei Uebernahme einer so schweren Arbeit Vegetiusnicht verstand, die verschiedenen Epochen des römischen Heerwesenshinlänglich zu unterscheiden, dessen Einrichtungen mit griechischen ver-wechselte, und nicht einmal erkannte, dass seine (des Vegetius) Schlacht-ordnung weit mehr der zu seinen Lebzeiten üblichen, als der älterenSchlachtordnung der römischen Legion glich. Andererseits aber war erder erste und einzige der alten Schriftsteller, der in systematischer,methodischer Weise und ziemlich ausfidirlich alle Zweige der Kriegs-kunst untersuchte und darstellte. Sodann hat kein einziger Kriegs-schriftsteller der folgenden Zeiten über die Heere des Alterthums ge-schrieben, ohne sich auf ihn 7,u beziehen, und Viele, welche den Kriegim Allgemeinen behandeln, verweiseu direet auf ihn. Er ist in seinenRegeln vortrefflich : seine Rathschläge an Valentinian sind voll philo-sophischer Weisheit und Wahrheit; alle seine Ansichten über Kriegskunstenthalten richtige Grundgedanken. Der ganze Plan seines Werkes istein methodischer, er enthält zuerst ein Raisonnement über Aushebungder Soldaten und kriegerische Uebungen, dann über die Legion, derenZusammensetzung, Organisation, Aufstellung und Etat, und endlich überTaktik und die grossen Kriegsactionen. Die Zeit, in welcher er seinopus schrieb, war eine friedliche, und das scheint ihm die Worte einge-flösst zu haben, welche er seineu Landsleutcn zuruft: »Erinnert Euch,dass nach dem ersten punischen Kriege ein 20jähriger Friede eintrat,der die bis dahin stets siegreichen Römer das Kriegshandwerk gänzlichvergessen Hess und sie so entnervte, dass sie im zweiten punisehen Kriegegegen Hanuibal nicht Stand zu halten vermochten. Erst nachdem siemehrere Consuln, Feldherrn und Armeen eingebüsst hatten, erlerntensie wieder den Gebrauch der Waffen und brachten damit den Sieg aufihre Seite.«

Sein Werk ist, wie er selbst sagt, ein Auszug aus Cato Censor,Cornelius Celsus, Frontinus und Patern us, und aus den Kriegs-und Heereseinrichtungen der Kaiser Augustus, Trajan und Ha-