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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
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559
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64. Allgemeiner Ueberblick über die Kriegsgeschichte des Alterthums. 559

dvian. Da ev vorher angiebt, dass sein Werk nach alten Kriegs-mustern gebildet sei, so erscheint es seltsam, einen CorneliusCelsus, Frontin us und Patemus darin zu finden, den bedeu-tendsten und sie Alle überstrahlenden, den grossen Julius Cäsar abernicht! Das Werk des Vegetius besteht aus 5 Büchern und 118 Ka-piteln. Vor jedem Buche befindet sich eine Lobes-Epistel an Valen-tinian II. Sie sind alle sehr schwülstig, -voll sklavischer Schmeicheleiund Unterwürfigkeit, die Valentinian II. gegenüber gänzlich unange-bracht war, einem unbedeutenden und durchaus unberühmten Kaiser,der keine einzige der hervorragenden Kriegsthaten vollbracht hat, welcheVegetius ihm zuschreibt. Diese Vorreden oder Widmungs-Epistelnzeugen nur von der damals herrschenden Servilität gegen die römischenKaiser und von dem Verfall und der Verderbtheit der litterarischenKunst. Sprache und Styles. Als Beispiel dafür führen wir folgendeEpistel an:

»Es ist seit alter Zeit üblich, dem Staatsoberhaupte dasjenige zuwidmen, was als Frucht des Studiums der Künste und Wissenschaften inBücher niedergelegt worden; wer könnte, nächst Gott, ihnen einenbesseren Schutz angedeihen lassen? Und wem geziemt es mehr das Bestezu wissen und das Meiste, als dem Herrscher, dessen Wissen allen seinenUnterthanen und dem öffentlichen Besten zum Nutzen gereichen kann?Dies liebte auch Octavius Augustus und nach ihm alle besten Regenten,wie es viele Beispiele kund thun. So wuchs_unter dem Schutze der Re-genten die Fähigkeit der Forscher, während ihre edle Kühnheit nichtstrafbar erschien.

Von diesen Beispielen angelockt und da ich weiss, dass von Deiner,des besten Fürsten, Gnade noch grössere Nachsicht für Schriftsteller zuerwarten ist, als von Deinen Vorgängern, vergesse ich fast, wie sehr ichandern alten Schriftstellern nachstehe. Die Natur meines Gegenstandesberuhigt mich noch mehr, sie verlangt weder Geist noch Anmuth, dennes handelt sich nur um fleissige und gewissenhafte Erforschung derKriegsregeln und Beispiele, welche in den Werken der verschiedenenAutoren zerstreut, zum allgemeinen Besten zusammengetragen werdensollen.

Die Aushebung der Rekruten und ihr Exercitium will ich behandelnund daran erinnern, welches der Geist der alten römischen Truppen war.Nicht als ob ich zu glauben mich erkühnte, dass Dir, nnbesieglicherKaiser, dies irgendwie unbekannt sein könnte, sondern nur, damit Duim Stande seiest, zu erkennen, wie die von Dir zum Wohle des Staatesaus eigener Erleuchtung ergriffenen Maassregeln mit denen überein-stimmen, welche ehemals schon diejenigen als richtig erkannten, welchedas römische Reich gegründet haben. Mögest Du in diesem kleinen