Gl. Allgemeiner Ueberlilick über die Kriegsgeschichte des Alterthums. 557
Nichterlaubtem, wenigstens in den regelmässig organisirten Heeren derKulturvölker, wie es im Alterthum die Römer und Griechen und derenFeldherren waren. Daher wird Frontinus wie P01 yänus, dem Erste-rcn weniger, dem Letzteren mehr, mit Recht der Vorwurf gemacht, dasssie Kriegslist mit Arglist, Tücke und Verrath verwechseln, welches letz-tere nur wilder und halbwilder Barbaren würdig erscheine.
Indessen beweisen die Beispiele selbst, welche Frontinus wiePolyänus anführen, dass im Alterthum selbst bei den fortgeschritte-neren Völkern und nicht selten bei den besten Feldherren auch solcheKriegslisten, welche sich der Hinterlist nähern oder mit ihr zusammen-fliessen, nicht immer für unerlaubt und unrecht gehalten wurden. Dasmuss nicht verwundern, denn das Völkerrecht, auch das internationale,war ein ganz anderes, wie bei den Kulturvölkern der neueren Zeit, unddas, was jetzt für unerlaubt, unwürdig, tadelnswerth gilt, wurde damalsgerade im Gegentheil für das Richtige gehalten.
Aus allen diesen Ursachen hatten die Werke des Frontinus undPolyänus, mit ihren Vorzügen und ihren Fehlern, um ihres Inhalteswillen im Alterthum, wie im Mittelalter und der neueren Zeit einen ge-wissen Werth, indem sie Beispiele von erlaubten und zweckmässigenKriegslisten anführten, welche nachahmungswerth sind, mit diesem zu-gleich aber auch andere, unerlaubte und unwürdige, die zu kennen gutist, damit man sie vermeiden oder sich vor ihnen in Acht nehmen kann.Auch in unserer Zeit ist sie zu kennen unerlässlich für einen gebildetenMilitair; aber nur mit kritischer Vorsicht.
In jedem Falle steht in strategischer Hinsicht das Werk des Fron-tinus weit höher als das des Polyänus und verdient grosse Beachtung.
§. 469.Das "Werk des Vegetius.
Ganz anderer Art ist das, weit jene übertreffende Werk des Vege-tius: De re militari, vom Kriegswesen. Durch diese Schrift hat ersich die Ehre und den Ruhm erworben, einer der bedeutendsten altenrömischen Schriftsteller zu sein, und dieses Ruhmes genoss sein Werkauch beständig und in hohem Maasse im Mittelalter und in der Neuzeitund geniesst es noch bis auf den heutigen Tag. Die Lebensumständedes Vegetius sind unbekannt. Man weiss nur, dass er im 4. Jahrb..n. Chr. lebte, sein Werk dem Kaiser Valentinian II. (383—393) wid-mete, Christ war (was aus seinem Vornamen Renatus, der Wieder-geborene, wie aus dem Inhalte seines Werkes hervorgeht), einem vor-nehmen Geschlechte angehörte und einen hohen Rang bekleidete. DieCommeutatoren nennen ihn einen vir illustris, einer von ihnen, —