548 IV. Von Augustiis bis zum Untergang dos Weströmischen Reiches.
Taktik bezügliche Nachrichten, in den einen mehr, in den andern weni-ger quantitativ wie qualitativ genügend und nützlich. Besonders gilt diesvon Tacitus (über Germanien) , von D i o C a s s i u s und AmmiannsMarcellinus, die Beide Heerführer waren, und von Onosander,der, zwar kein Kriegsmann, sondern ein Philosoph, in seinem Werke2TQaTt]yiKov Xöyov oder Feldherrn Wissenschaft sehr gute Regelnund Anleitungen, sowohl strategischer wie taktischer Natur giebt (eswird von ihm in §. 470 besondeis die Rede sein).
Ueberblicken wir so im Ganzen, was im Alterthum von Griechen-land (hauptsächlich) und von Rom direct oder nebenher über Taktik undtaktische Organisation, Aufstellung, Bewegungs- uud Kampfart derTruppen geschrieben worden und uns erhalten geblieben ist, oder wenig-stens von späteren Schriftstellern erwähnt wird, so lässt sich der allge-meine Schluss ziehen, dass dieser Hauptzweig der antiken Kriegskunsttheoretisch und wissenschaftlich in ziemlich hohem Grade sowohl quan-titativ wie qualitativ durchgearbeitet und in seiner Art und in gewisserWeise zur Stufe einer Wissenschaft erhoben worden war, wenn auchvielleicht nicht in vollkommen systematischer Weise. Wenigstens kann•man aus ihr mit grösserer kritischer Gründlichkeit, als die war, welcheV e g e t i u s in so schwacher und ungenügender Weise bekundet, einenso zu sagen historischen und systematischen Codex der taktischen Theorieoder Wissenschaft des Alterthums aufstellen.
§. 463.Lagerkunst.
Von der Lagerkunst, Fortification, Belagerungskunst, Ballistik undStrategie als Wissenschaften, lässt sich im Allgemeinen dasselbe sagen,was oben über die Taktik gesagt wurde. Ueber eine jede derselbenfinden sich zerstreut und fragmentarisch zwischen dem Uebrigen mehroder weniger vollständige und genügende Angaben in den Werken deroben genannten griechischen und römischen Historiker und vorzugsweiseder Kriegsschriftsteller, besonders bei II e r o d o t, T h u c y d i d e s, X e -nophon, Polybius, Diodor, Dionys, Jul. Cäsar, Titus Li-vius, Flavius Josephus, Tacitus, Plutarch, Frontinus,Hyginus Gromaticus (Feldmesser), Arrian, Polyänus, DioCassius, Ammianus Marcellinus, Vegetius, Onosander.
Im Besonderen enthalten in Bezug auf Lagerkunst die wichtigstenNachrichten die Werke des Polybius, Julius Cäsar und Hyginus.Gromaticus.
Polybius aus Megalopolis in Arcadien (geb. 202, gest. 121 v.Chr.)gab eine uns erhalten gebliebene Beschreibung der römischen Lager inder besten Zeit der Republik (dunischen Kriege) , bemerkenswert!! des-