04. Allgemeiner Ueborblick über die Kriegsgeschichte des Altertliinns. 547
Truppen und die Schlachten schildern. Bekanntlich hatte die Ge-schichte des Altevthums von Anfang his zu Ende immer mehr oderminder neben dem politischen und staatlichen Charakter einen vorzugs-weise, später sogar ausschliesslich kriegerischen Charakter, denn derKrieg war beinahe der Normalzustand der Völker und Staaten, dieKriegspflicht war eine allgemeine, jeder Bürger war Soldat, der Krieger-stand der wichtigste und angesehenste, die höchsten Träger der Staats-und öffentlichen Gewalt waren zugleich auch Heerführer und nicht seltenHistoriker und Kriegsschriftsteller. So kann man. ausser von Hero-dot, Tkucydides, Xenophon, Polybius und Julius Cäsar,die schon erwähnt wurden, auch von den Werken des D i o d o r, D i ony s,Sallust, Titus Livius und Cornelius Nepos sagen, dass auch inihnen mehr oder weniger direkte oder indirekte Angaben enthalten sind,welche sich auf Taktik beziehen und mehr oder weniger ausführlich undgenügend sind. Die Werke von Diodor undDionys enthalten vieleinteressante Mittheilungen über Heerwesen im Allgemeinen und überTaktik insbesondere, die des Dionys zeichnen sich hauptsächlich durchausführliche Schlachtenbeschreibungen aus. Die Schriften Sallust's,der, wie es scheint, nach dem Muster des Thucydides verfährt, sindzwar in kriegerischer Hinsicht nützliche Quellen, genügen aber nicht inBezug auf Genauigkeit in der Beschreibung der kriegerischen Actionenüberhaupt und der taktischen Dinge im Speciellen. Bei Titus Liviussind sie mit grosser Ausführlichkeit, aber nicht immer zuverlässig be-handelt, weil Livius oft leichtgläubig und nicht immer unparteiisch ist.In den Biographien des Cornelius Nepos finden sich neben Anderemauch historische auf Taktik bezügliche Angaben. aber von diesen sinddie wichtigeren oft zu kurz behandelt, die weniger wichtigen dagegen zubreit, und im Allgemeinen hat er nicht immer aus richtigen Quellengeschöpft.
Dasselbe, was hier von den Historikern und Schriftstellern desfi. — I. Jahrb. v. Chr. gesagt worden, lässt sich auch von denen des1 .—5. Jahrb. n. Chr. sagen. Von ihnen enthalten, in der Geschichte Alexan-ders, die Schriften des Quintus Curtius viele taktische Angabenüber macedonische, griechische und persische Truppen. sie verdienenaber bekanntlich nicht viel Glauben. Iu der Geschichte des FlaviusJosephus über den jndäischen Krieg hingegen finden sich viele solcheAngaben, sie sind mit Sachverständuiss und gewissenhaft geschrieben• und verdienen Glauben. luden historischen Werken des Suetonius ,Tacitus, Plutarch, Appian (von Arrian war schon oben dieRede), Justinus, Dio Cassius. Ammianus Marcellinus (vonVegetius ist bereits oben die Bede gewesen und wird später noch aus-führlicher gesprochen werden), und Onosander finden sich auch auf
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