Druckschrift 
Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
Entstehung
Seite
546
Einzelbild herunterladen
 

546 IV. Von Augustus bis zum Untergang des Weströmischen Reiches.

wann dadurch die besondere Beachtung der späteren Kriegsmänner undSchriftsteller. Aelianus Tacticus, von dem oben die Rede war, lebte,wie man annimmt, in der 1. Hälfte des 2. Jahrh. n. Chr. und schrieb einWerk über Taktik unter dem Titel r«/.Ttx« (in lateinischer Ueber-setzung de instruendis aciehus), auf welches sich viele spätereSchriftsteller beziehen. Ein unbekannter griechischer Schriftsteller wid-mete im J. 132 n. Chr. dem Kaiser Hadrian sein Werk Über Aufstel-lung und Bewegung der Truppen für den Kampf, die Formen schildernd,wie sie bei den Macedoniern unter Alexander d. Gr. üblich waren.Arrian von Nicomedien, gleichfalls Zeitgenosse Hadrian's, hat die Ge-schichte oder Feldzüge Alexander's d. Gr. geschrieben und ausserdemein Werk über Taktik: ars tactica zusammengestellt, auch über dieAufstellungen und Evolutionen der Reiterei und über die besten Schlacht-ordnungen und Kampfarten gegen die Alanen geschrieben. Unter Va-lentinian II. (383393) fasste Vegetius in seinem Werke: Deremilitari überhaupt Alles zusammen, was bis dahin über Kriegswesengeschrieben oder durch die früheren Regenten der Staaten angeordnetworden war, obgleich er es ohne Auswahl und Kritik that, Altes undNeues, und darunter auch alles auf Taktik Bezügliche, mit einander ver-mengend. Dies war das hauptsächlichste und zugleich das letzte Werkim Alterthum über Kriegskunst überhaupt, welches in der Folgezeit nochlange als Muster und Leitfaden über diesen Gegenstand diente. Vondemselben wird in §. 470 noch die Rede sein.

Unter den späteren, eigentlich römischen, Schriftstellern und Histo-riographen sind besonders wichtig Julius Cäsar, Salin st, TitusLivius und Cornelius Nepos. Julius Cäsar giebt in seinenCommentaren über den Krieg in Gallien (7 Bücher) u. A. sehrwerthvolle Mittheilungen über die römische Taktik, Aufstellung, Marsch-und Kampfart der römischen Truppen, beim Marsche wie im Gefechte.In dieser, wie in allen andern Hinsichten, waren seine Commentare inder späteren und bis auf die neueste Zeit ein höchst interessantes undlehrreiches Werk für Militairs, an welcbem sich alle die grossen undbesten Feldherren gebildet haben, und das zu kennen für jeden gebil-deten Militair unbedingtes Erforderniss war.

Die Werke der griechischen Historiker II e r o d o t, T h u cy di d e s,Xenophon, Polybius, Diodor und Dionys, und der römischen(Julius Cäsar ausgenommen) Sallust, Titus Livius und Cor-nelius Nepos, welche in der Zeit zwischen dem 5. bis 1. Jahrh. v.Chr. und später lebten, beziehen sich sämmtlich, wenn nicht direkt, sodoch indirekt gleichfalls auf Kriegsangclegenheiten und im Besonderenauf Taktik, indem sie mit mehr oder weniger Ausführlichkeit und Zuver-lässigkeit die taktische Formation, Aufstellung und Kampfweise der