544 IV. Von Augustus bis zum Untergang des Weströmischen Eeiches.
Alterthum ihre Entstehung, Entwickelung, Vervollkommnung, ihrenganzen Standpunkt vorzugsweise den Griechen verdankte und nach ihnendaher die griechische genannt zu werden verdient. Obschon auchdie Römer daran einen gewissen Antheil haben, so ist dieser doch sehrviel geringer, sowohl der Zeit nach (erst vom 2. und 1. Jahrh. v. Chr.an), als auch in quantitativer und qualitativer Hinsicht; ein grosser Theilder römischen Kriegsschriftsteller waren geborene Griechen. Wir wer-den das, was in der alten Zeit durch Griechen und Römer in dieser Be-ziehung geleistet worden, hier nach den einzelnen Zweigen der Kriegs-wissenschaft betrachten, in derselben Reihenfolge, wie im vorigenKapitel, und mit der Taktik anfangen.
Von den griechischen Schriftstellern, welche in der ersten Zeit derGriechen Über verschiedene Gegenstände der Taktik geschrieben haben,deren Werke uns aber nicht erhalten geblieben sind, thun einige späteregriechische Schriftsteller Erwähnung. So Aelian, ein Schriftsteller ausdem 2. Jahrh. n. Chr., genannt der Taktiker, der in seinem Werke%av.%i-t.ä [de instruendis aciebus) 12 solche alte Schriftsteller nennt:Stratokies und Hermeias, welche über das Kriegswesen zur ZeitHomers geschrieben haben, Aeneas, der ein grosses Werk Über dasganze Kriegswesen verfasste, Kireas den Thessalier, der einen Auszugaus dem vorigen gab, Pyrrhus, König von Epirus, und dessen SohnAlexander, welche über denselben Gegenstand schrieben, und Pau-sanias, Euangelos, Eupolemos, Iphikrates, den Stoiker Po-sidonius und Frontinus, welche mehr über Kriegswesen im Allge-meinen schrieben (Frontinus schrieb hierüber mehr, als über Kriegslisten,welches letztere Werk wir besitzen, s. u. §. 468). Hierüber schriebenauch Demokritos, Klearchos, Demetrius von Phalereus, undBrion oder Bilon, der sich indessen nur auf die Anfangsgründe be-schränkt. In den Commentaren des Eustathios zur Iliade geschiehteines Herrn olithos Erwähnung, [Tacticus), dessen Werk verlorenge-gangen ist, wie auch das des Makros, zwei Bücher über Kriegswesen,und die Werke des Paulus über Bestrafungen der Soldaten, des T a r-rutenus Paternus und des Menander. Diese letzteren Alle werdenbei der Aufzählung der Schriftsteller erwähnt, welche in den Titel derPisanischen Pandekten eingeflochten ist. Verloren gegangen sind fernerdas von Suidas*) hochgepriesene Werk des Atheners Simon »überEigenschaften der Pferde«, und des Sarmenes, welcher (nach Pli-nius) zuerst über Reiterei geschrieben hat.
*) Suidas war ein griechischer Grammatiker des 11., n. A. des 10. Jahrh.n. Chr., der ein Real-Lexicon, vorzugsweise geographischen und historischen In-haltes, schrieb.