540 IV. Von Augustus bis zum Untergang des Weströmischen Reiches.
flilirung erkannte er in der Besetzung entscheidender strategischer Punkte,Auswahl und Befegtigung der Lager, und Unterbrechung der Verbin-dungen des Feindes. Als hauptsächliches Kennzeichen für entscheidendePunkte erachtete er es, dass sie geeignet waren zum Erschliessen desEingangs in das feindliche Gebiet. Die Auswahl der Lagerplätze traf erdanach, dass sie ihm gestatteten, den Feind zu einem ungünstigenKampfe zu zwingen, — die Unterbrechung der feindlichen Verbindungensollte den Gegner zum Verlassen seiner Stellung. zum Kampfe, zumKückzuge, oder sogar zur Niederlegung der Waffen zwingen.
Als bestes Mittel zur Geheimhaltung seiner Operationen erkannte erdie Schnelligkeit der Bewegungen oder die Ausführung derselben un-mittelbar, nachdem er sie entworfen hatte.
Nach Besetzung eines entscheidenden Punktes zog er den Kampfbei demselben im offenen Felde, als Mittel zur schnellen Erreichung sei-ner Absichten, vor. Wenn aber der Feind dem Kampfe auswich , sich inverschanzte Lager, Linien oder feste Städte einschliessend, so schrittCäsar erforderlichen Falles zur Einschliessung oder Belagerung.
Bei Auswahl des Lager- und Kampfplatzes Hess er sich ebenfallsleiten durch Erwägungen über Operationen auf die feindlichen und be-sonders über die Sicherung seiner eigenen Verbindungen, über Besiegungund womöglich Vernichtung des Gegners, vornehmlich aber über seineeigne Sicherheit gegen solche Vorkommnisse, und schliesslich über dieBesetzung des entscheidendsten Punktes und Verhinderung des Feindes,diesen Punkt zu besetzen.
Nachdem er den Sieg erfochten im offenen Felde, verfolgte er denBesiegten nachdrücklich mit seiner Cavallerie und hielt hierbei, auf denmoralischen Eindruck des erkämpften Sieges rechnend, es für möglich,seine geeinten Kräfte zu theilen. Wenn er Misserfolge erlitten hatte,zeigte er eine nicht geringere, sondern womöglich noch grössere Energieund Thätigkeit, als nach Erfolgen und Siegen. Vor Allem und mehr alsAlles bemühte er sich, einer Muthlosigkeit seiner Soldaten entgegen zuwirken und so rasch als möglich aus der ungünstigen Lage heraus zukommen, und zwar als Sieger, nicht als Besiegter.
Obgleich er namentlich in Gallien, beim Beginn seiner kriegerischenLaufbahn, nicht ganz frei war von unwillkürlich gemachten Fehlern, somachte er im Bürgerkriege doch sehr wenige solcher Fehler mehr. Indiesem letzten Kriege erscheint er schon als wirklich grosser Feldherrauf der vollen Höhe und Kraft seiner ungewöhnlichen kriegerischen Ga-ben und im Besitze einer ungemeinen, in dem gallischen Kriege gewon-nenen, Kriegserfahrung. Von Anfang bis zu Ende blieb er denselbenHaupt- und Grundmaximen getreu, welche wir oben angegeben haben.