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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
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63. Allgemeiner Ueberblick über die Kriegsgeschichte des Alterthums. 541

Seine Kunst erscheint um so grösser, als er römische regelmässig aus-gebildete und an Zahl ihm überlegene Truppen unter römischen, mehroder minder tüchtigen Anführern sich gegenüber hatte, an deren Spitzesein Nebenbuhler Pomp ejus stand, die allerdings aber Alle ihm selber(Cäsar) in Bezug auf Kriegsbefähigung und Kunst nachstanden. Häu-tiger als in Gallien war er zu manövriren gezwungen, zu Einschliessun-gen und grossen fortificatorischen Arbeiten. Nach Erlangung aber vonentscheidenden Siegen verfolgte er die Besiegten mit ungewöhnlicherAnspannung der Kräfte, Raschheit und Entschiedenheit.

Das sind im Wesentlichen die Fundamente und Züge der StrategieCäsar's, die in der That, wie aus dem Gesagten hervorgeht, denhöchsten Grad der Entwickelung, Mannichfaltigkeit und Vollkommenheitim Alterthum erreicht hatte. In ihr war, kann man wohl sagen, dieganze Strategie des Alterthums mit allen ihren Erfahrungen und Zügenconcentrirt, gleich wie Cäsar selbst in sich alle Züge des Ideales einesgrossen Feldherrn des Alterthums in sich vereinigte, über den hinausnach ihm Keiner mehr gelangte.

Zur Zeit des Kaiserreiches, von Augustus bis Diocletian, in'den mehr oder minder geschickten und bemerkenswerthen Kriegen, Feld-zügen und Kriegsoperationen verschiedenster Art, wo die römischenHeere von Feldherren wie Drusus, Tiberius, Germanicus,Vespasian, Titus, Trajan, MareAurel, Septimius Severus,Alexander Severus, Maximin, Claudius III., Aurelian undProbus geführt werden, hält sich die Kunst der Kriegführung, obgleichsie sich mit der Cäsar's nicht mehr vergleichen kann, doch nochfern vom Verfall und zeigt sich noch ihres Ruhmes in früheren Zeitenwürdig.

Auch später noch, von Diocletian bis zum Untergange des West-römischen Reiches wurden die Kriege und Feldzüge der Römer nichtohne Geschick und Ruhm geführt durch Anfuhrer wie ConstantiusChlorus, Constantin d. Gr., Julian, Theodosius Vater undSohn, Stilicho, Alarich, Aetius, Ricimer und Odoaker. Estrug dazu die Kriegserfahrung von 12 Jahrhunderten, wie sie aus denKriegen der besten Zeit der Republik, und so grosser Feldherren wieAlexander d. Gr., Hannibal und Julius Cäsar, und vieler ge-schickter Heerführer zweiten Ranges sich gebildet hatte, und auch derUmstand bei, dass ein grosser Theil der Imperatoren durch die Truppenaus der Zahl der durch kriegerische Begabung, Erfahrung. Kunst, Er-folge und Siege hervorragenden Feldherren gewählt wurde. Ein auf-merksames Studium dieser Kriege, Kaiser und Heerführer zeigt, dassdie Kunst der Kriegführung noch immer auf einer ziemlich hohen Stufeder Vollendung steht. Die materiellen und moralischen Factoren der