538 IV. Von Augustus bis zum Untergang des Weströmischen Reiches.
im Allgemeinen die Wegnahme feindlicher Städte nicht die Operationenim Felde, noch schwächte sie deren Energie; diese Operationen, beson-ders der Kampf, waren die Hauptsache, das Wichtigste, und die Taktikentschied, ganz wie früher, den Krieg und das Schicksal der Staaten aufden Schlachtfeldern, sie war das hauptsächlich wirkende Mittel in derKunst der Kriegführung.
Das sind die allgemeinen Züge dieser Kunst bei den Römern nachdem zweiten panischen Kriege. Aber die Verschiedenheit in den Um-ständen, wie in den persönlichen und Charaktereigenschaften der Feld-herren, welche die römischen Heere befehligten. waren selbstverständ-lich die Ursachen, dass jeder Krieg ausser den allgemeinen noch seinebesonderen Züge trug. Die römischen Kriege aus dieser Zeit wurden,ihren Zwecken nach, überhaupt geführt: entweder zur Ausführung neuerEroberungen, oder zur Erweiterung und Befestigung der früher gemach-ten. Kurzum, ihr Charakter war im Allgemeinen der von Eroberungs-kriegen und dem entsprach auch die Art und Kunst, wie sie geführtwurden, und so fand eine allmälige Erweiterung der Verhältnisse, Ver-mehrung der Mittel, Vervielfachung der Mittel statt, welche auf dieweitere Entwickelung der Kunst der Kriegführung einwirkte.
Seit der Zeit der griechischen Kriege somit allmälig entwickelt, erwei-tert und vervollkommnet, erreichte die Kunst der Kriegführung endlich denhöchsten Grad ihrer Ausbildung im Alterthum in der 100jährigen Periodeder römischen Bürgerkriege, welche in dieser Hinsicht gleichfalls eineinteressante, beachtenswerthe und lehrreiche Epoche der Kriegsgeschichtedes Alterthums bildet. Gerade zu dieser Zeit führten die Römer, vonFeldherren wie Marius, Sulla, Metellus, Lucullus, Pompe-jus, und besonders dem grössten von Allen, Cäsar, befehligt, in denverschiedensten Ländern und gegen die verschiedensten Völker in Eu-ropa , Asien und Afrika die grossen Kriege, sowohl äussere — gegenJugurtha und Mithridates, die Cimbern und Teutonen, die Hispanier, Gal-lier, Germanen und Parther, wie-innere Bürgerkriege — gegen Ser-torius, Marius gegen Sulla, Pompejus gegen Cäsar. In dieser Zeiterlangte die Strategie, wie alle übrigen Zweige der Kriegskunst, welchein dem Kopfe dieser hochbegabten Heerführer thronten , eine Vielseitig-keit und Mannichfaltigkeit der Entwickelung, wie sie bis dahin nichtvorhanden gewesen war, und sie verdankte dies vorzugsweise Cäsar.
Cäsar , der in seinen Kriegen und Feldzügen das von ihm im voll-sten Umfange adoptirte Hauptziel der uralten Politik Roms auf dasNachdrücklichste verfolgte: die Ausbreitung der Macht Roms über Italienund weiter hinaus bis zu den fernsten Grenzen der damals bekanntenWelt, — griff auch mit Energie zu dem Hauptmittel dieser Machtausdeh-nung, dem Eroberungskriege. Deshalb war er im vollsten Sinne ein