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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
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63. Allgemeiner Ueberblick über die Kriegsgeschichte des Alterthums. 537

Operationen sind höchst bedeutend nach Entwurf und Ausführung; abereine der merkwürdigsten war der Marsch des Claudius Nero aus Süd-nach Nord-Italien in 7 Tagen, und zurück in 6 Tagen, nach Besiegungdes zur Vereinigung mit Hannibal aus Hispanien herangekommenenHa s d r u b a 1. Sehr interessant sind auch ihre Operationen vor und wäh-rend der Belagerung von Capua, gegen Hannibal sowohl in Lucanien undApulien, als in Bruttien und Calabrien.

Mit einem Worte der zweite punische Krieg bietet' eine in jederHinsicht beachtenswerthe Erscheinung in der Geschichte der Kunst derKriegführung im Alterthum, er zeigt deren erhebliche Entwickelung undErfolge und ist von diesem Gesichtspunkte aus in hohem Grade interes-sant und lehrreich.

Nach dem zweiten punischen Kriege nahm die Art und Kunst derKriegführung durch die Römer im Allgemeinen einen bedeutenden Auf-schwung in Maass und Umfang, erreichte eine hohe Entwickelung, Be-deutung und Wichtigkeit, und zeigt eine den Umständen gemässe Ver-einigung von List und Kraft, von Vorsicht und Entschiedenheit. Vonjetzt an tritt bei den Römern schon das deutliche Streben nach Erobe-rungen ausserhalb Italiens hervor. Als Hauptmittel dazu diente die klugePolitik des römischen Senats, und die Waffen vervollständigten, wasdurch jene mit Geschick vorbereitet war. Der beständige GrundsatzRoms war von Anfang an den Krieg in das feindliche Land selbst zutragen und früher oder später ihn durch einen einzigen gewaltigenSchlag, einen Kampf, zu beenden. Darum rückten die römischen Ar-meen kühn und rasch direkt in das Innere des feindlichen Landes oderdem feindlichen Heere entgegen und suchten demselben eine Niederlagebeizubringen entweder im Treffen, oder durch andere Mittel, z. B. Thei-lung der Kräfte desselben, Schwächung, Zersplitterung, Einschliessung,Zwingung zur Uebergabe u. s. w. Dabei kam ihnen sehr zu stattten,wie es zu jener Zeit gebräuchlich war: die geringe Kopfstärke der römi-schen Armeen und deren geringer Train, ihr Beziehen von befestigtenLagern für jede Nacht, ihre Verproviantirung mittelst Vorräthen, welchetheils von den Soldaten getragen, theils durch Fouragirungen und Weg-nahme im Lande eingetrieben, theils durch Nachfuhr von weiter hintenherbeigeschafft wurden. Die feindlichen Städte nahmen die Römer vor-zugs-weise durch offene Gewalt, Sturm, plötzlichen Ueberfall, List, Ver-rath u. s. w., nur in besonders wichtigen oder nöthigen Fällen durchEinschliessung oder regelrechte Belagerung. Auf diese Weise hemmte