63. Allgemeiner Ueberblick über die Kriegsgeschichte des Alterthums. 535
setzen gegenüber dem von Seiten der Kömer ebenso geführten Kriege,und der endlich bei all' seiner Begabung und seinem Anrecht auf Erfolgder Ungunst des Schicksals und der Laune des Glücks weit mehr aus-gesetzt, — weit unglücklicher, aber auch noch grösser in seinem Un-glück ist.
Seine in den Hauptgrundzügen und zu Anfang der Alexander's sehrähnliche Art der Führung des Krieges wich doch schon dadurch wesent-lich von jener ab, dass nur die ersten drei Jahre dieser Krieg entschiedenoffensiv, in den letzten vierzehn Jahren aber offensiv-defensiver,endlich von defensiver Natur war. In dieser letzteren Beziehung sind
seine Operationen höchst bemerkenswerth, als die ersten im Altertbum
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von einem so grossen Feldherrn, in einem so wichtigen und in krie-gerischer Beziehung so interessanten Kriege und gegen solche Gegner,wie die Römer, ausgeführten.
Aus diesem selben Grunde ist der zweite punische Krieg von ausser-ordentlichem Interesse in strategischer Hinsicht. Bis dahin hatte, mitAusnahme der Feldzüge und Kriege Alexander's d. Gr., die Taktik imKriege die Hauptrolle gespielt, während die mehr oder weniger einfacheund klare Strategie wenig hervortrat. Wenn auch kriegerische Opera-tionen vorkamen, die mehr aus dem rein taktischen Gebiete heraus-traten, so war dies doch eine Folge der Anwendung von Kriegslisten oderStrategemen verschiedenster Art, oder in Folge der besonderen persön-lichen Maassnahmen der Heerführer. Solche Dispositionen und Opera-tionen aber, welche den Zweck gehabt hätten nicht den Kampf zu suchen,sondern ihn zu vermeiden, den Gegner nicht durch Gewalt der Waffen,sondern durch die Klugheit des Verstandes, nicht durch die Action imGefecht, sondern durch Bewegungen, Manöver im Felde gegen Flanken,Rücken, Verbindungen u. s. w. zu überwinden, kommen nur sehr seltenvor, eben deshalb, weil beide Theile immer nur auf das eine Ziel, denKampf, losgingen. Dann aber, seit dem Zeitpunkte, wo die Römer nachdes Fabius Plan das System der offensiven Defensive adoptirten unddadurch Hannibal zu gleichem Verhalten veranlassten, tritt zum erstenMale im Alterthum eine, man kann sagen, ganz neue Erscheinung her-vor. Sie ist unstreitig hochinteressant in Bezug auf die Kunst der Krieg-führung und die neuen Formen der Entwickelung und der Erfolgederselben, weil sie schon deutlich die Ueberlegenheit der Schlauheit,Klugheit, des Verstandes und der Kunst über die rohe materielle Gewaltbekundet.
Die Führung des Krieges durch die Römer zu dieser Zeit ist sehrbemerkenswerth vom strategischen Gesichtspunkte aus. Gleich zu An-fang von einer für sie unerwarteten Seite mit Nachdruck angegriffen,