63. Allgemeiner Ueberblick über die Kriegsgeschichte des Alterthums. 533
nimmt an, dass bis zum Hydaspes die Zahl der Todten sich ungefähr auf10,000 belaufen habe. Bei dem Eückmarsch aus Indien nach Babylonbüsste Alexander, nach Plutarch's Angabe, von den 135,000 Mannseines Heeres über 3 / 4 , also über 100,000 Mann ein und brachte nur noch1 /4, etwa 34,000 Mann mit sich. Danach aber stiessen aus Macedonienund Griechenland im Ganzen an 38,000 Mann Verstärkung zu ihm, un-gerechnet die Truppenaushebungen in den eroberten Provinzen. Dadurchwurde der Verlust des Heeres wieder ersetzt und das Heer noch erheblichverstärkt. So war dasselbe in der Schlacht bei Arbela schon 50.000Mann, in Indien sogar 135,000 Mann stark. Alle nachgeschobenen Ver-stärkungen schlugen einen bestimmten Weg ein, von einem Sammelplatzezum andern, der Hauptpunkt dieser Art war Ekbatana. Von hier bis zuden äussersten Grenzen Mediens waren 11 Marschtage, von diesen Gren-zen bis nach Baktrien ungefähr 225 Meilen.
Alle diese Daten bezeugen hinlänglich, dass Alexander d. Gr. beiseinem ungewöhnlichen Unternehmen eine wunderbare Kühnheit, Thä-tigkeit und Raschheit, zugleich aber auch eine kluge Vorsicht entfaltete.Unter den gegebenen Umständen mit den entsprechenden Mitteln immeres verstehend, die richtigen Maassregeln zur Erlangung seiner Ziele an-zuwenden, handelte er unzweifelhaft den Bedingungen und Forderungender höchsten Kriegsführungskunst angemessen. Diese Kunst nahm durchihn solche Verhältnisse an, dass sie Alles für den menschlichen Geistmöglich erscheinen Hess und hinfort jedem ungewöhnlichen Heerführereine unbeschränkte Bahn für grosse Unternehmungen eröffnete. Für sieverschwand die weiteste Entfernung der Länder, die Ausdehnung derMeere, die Breite der Ströme, Höhe der Gebirge, für sie gab es keineSchwierigkeiten mehr der Feldzüge, Kriege und Eroberungen in anderenErdtheilen. Aber eine andere Lage der Verhältnisse, andere Umständeund Schwierigkeiten bringen wiederum einen anderen verschiedenartigenWiderstand der Kräfte hervor. Die in dieser Hinsicht bedeutendste undwichtigste Erscheinung nach Alexander d. Gr. bietet der als grosserMann und Feldherr ihm gleichende Hannibal dar.
Eine der.grossartigsten Kriegsunternehmungen im Alterthum, zuwelcher Hannibal den Grundgedanken von seinem Vater und Onkelererbt hatte, wurde von ihm tief durchdacht und angelegt, richtig be-rechnet, sorgfältig vorbereitet, hinlänglich sichergestellt und dann zurAusführung gebracht mit ungewöhnlicher Energie des Willens, Festig-keit, Beharrlichkeit, Entschlossenheit und Kunst. Nach Ueberschreitungder Pyrenäen, der Rhone und der Alpen führte er während drei Jahrenin Italien Offensiv-Operationen gegen die Römer durch, welche einenVerein von erstaunlicher Kühnheit und Entschiedenheit mit kluger Vor-sicht und feiner listiger Schlauheit zeigen und ebenso sehr seine weise