528 IV. Von Augustus bis zum Untergang des Weströmischen Reiches.
entschlossen. Das war ein unbestreitbar kluger Operationsplan, denneine Niederlage der Perser zur See musste ihren ganzen Einfall zu nichtemachen, wie es denn auch in der That geschah. Nachdem er Athen zer-stört, entschloss sichXerxes auf des Mardonius Anrathen, statt überdie corinthische Landenge in den Peloponnes einzudringen, zu einemEinfall daselbst von der See aus. Die Griechen hatten nach dem Ver-luste der Thermopylen die corinthische Landenge durch eine Mauerabgesperrt, ihre Flotte bei Salamis zusammengezogen, und erfochtenhier jenen entscheidenden Sieg, der Griechenland rettete. Auf dem-selben Wege, den er gekommen war, kehrte Xerxes nach Asien zu-rück, den Mardonius mit 300,000 Mann in Griechenland stehenlassend. Aber auch diese wurden im folgenden Jahre in den Schlachtenbei Plataea und Mykale besiegt und vernichtet. Wie gross also auch dieasiatische Kriegsschlauheit gewesen war, welche in der Absicht undUeberzeugung gelegen hatte, das kleine Griechenland durch die unge-heuren Kräfte des Orients zu erdrücken, so war sie doch weit übertreffenund siegreich überwunden worden durch die europäisch-griechischeKriegskunst, welche in weisen Plänen und deren tapferer Ausführung inVerbindung mit der Vortrefflichkeit einer geregelten Organisation dergriechischen Truppen, mit einem Worte — in der Ueberlegenheitder Kunst und moralischen Kraft der Griechen bestandenhatte.
Das folgende Beispiel bietet in anderer Weise ein noch grösseres In-teresse, insofern, als Griechen gegen Griechen einen 27 Jahre währendenKrieg führten, der unter dem Namen des peloponnesischen bekannt ist.Hier waren die materiellen wie die moralischen Kräfte und Mittel fastgleich, lind nur die überlegene Kunst konnte und musste schliesslichtriumphiren. Man kann indessen nicht sagen, dass in dieser Hinsichtimmer und überall grosse und geschickt ausgeführte Entwürfe zu Tagegetreten wären. Die beständigen Reibungen und Gegenwirkungender mehr in zweiter Linie stehenden Interessen und Absichten der klei-neren mit Athen und Sparta verbündeten griechischen Staaten, sowie derEinfluss der politischen Parteien und einzelner ehrgeizig nach der Machtstrebender Personen waren zu bedeutend und mächtig, als dass in denallgemeinen Entwürfen zum Kriege und den kriegerischen Operationeneine gewisse und unerlässliche Einheit hätte sein können. Das Kriegs-theater umfasste ganz Griechenland auf dem festen Lande und dehntesich sogar bis zu den Küsten von Thracien und Illyrien und bis zu den'Inseln des Archipels aus. Dabei war der Krieg zur See der hauptsäch-liche und vorherrschende. An dem Kriege nahmen nicht Griechen alleinTheil, sondern auch die nördlich von Griechenland wohnenden Völker,die Bewohner der Inseln, und schliesslich sogar die Perser, die sich je