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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
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529
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63. Allgemeiner Ueberblick über die Kriegsgeschichte des Alterthums. 529

nach ihren eigenen politischen Zwecken bald für Athen, bald fürSparta erklärten. Im Verlaufe des Krieges traten nicht allein neue Mit-kämpfer auf, sondern die Betheiligten wechselten ihre politische Stellung,wenn sie, nur zu oft, durch persisches Gold dazu bewogen wurden. DieKriegsmacht zersplitterte sich auf verschiedene Unternehmungen, oft nurzu sehr kleinlichen untergeordneten Zwecken.

Aber inmitten dieses Chaos, wie man es wohl nennen darf, wardoch ein Gedanke der herrschende und ward hartnäckig festgehalten,die politische Rivalität zwischen Athen und Sparta, welche beide nachder Hegemonie in Griechenland strebten. Sparta hatte Ursache zur Miss-gunst gegen Athen, welches mit Hülfe seiner bedeutenden Seemacht seinenEinfluss und seine Macht über die griechischen Inseln und an den Küstenvon Thracien und Illyrien ausbreitete. Die Hauptmacht Spartas, daskeine Flotte besass, lag in seinem vortrefflichen Landheere, mit welchemes auch beständig Athen in dessen eigenen Grenzen, d. h. in Attica, an-zugreifen suchte, wenn auch mit kaum einem anderen Erfolge, als derVerheerung des Landes. In den ganzen 27 Kriegsjahren kommen kaum6 wichtige Schlachten und ohne besondere Folgen vor. Dies kam, abge-sehen von der Terrainbeschaffenheit Griechenlands, grösstentheils vonder eigenthümlichen Kriegsorganisation der Griechen her, welche weitmehr einer defensiven, als einer offensiven und erobernden Kriegführungentsprach. Bei den Spartanern war es ja sogar oberster Grundsatz, denbesiegten Feind nicht zu verfolgen.

Alle diese Ursachen zusammen genommen machen es begreiflich, wes-halb dieser Krieg so lange währte, ohne eigentlich ein anderes Resultat,als die gänzliche Erschöpfung aller daran Betheiligten herbei zu führen.

Dennoch sondern sich aus diesem allgemeinen Bilde des peloponne-sischen Krieges hier und da einzelne Momente aus, welche von einemnicht geringen Grade von Kunst bei vielen der begabteren Feldherrenzeugen, wie sich das in ihren Plänen und Entwürfen wie in deren Durch-führung bekundet. Der weitab kleinere Antheil fällt hierbei den Spar-tanern zu, von welchen Brasidas allein durch Fähigkeiten und Kühn-heit, selbst im Vergleich zu seinen Gegnern eine der höchsten Stufenunter den sämmtlichen geschickteren Feldherren einnimmt. Unvergleich-lich höher in der Kunst der Kriegführung stehen die Athenienser, nament-lich zu der Zeit, als Pericles sich an der Spitze ihrer Regierung be-fand. In der Rede, in welcher er, nach Thucydides, den Athenernseinen Feldzugsplan entwickelt, erscheint uns dieser als eine ausser-ordentliche weise, tiefe, und vielseitig durchdachte, alle Umstände unddie gegenseitige Situation, Organisation, Kräfte, Mittel und Hülfsquellenbeider Theile genau erwägende Leistung. Pericles erblickte den Vorzugder Ueberlegenheit der Athenienser häuptsächlich in drei Umständen:

Galitzin, AUgem. Kriegsgeschichte. 1,5. 34