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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
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527
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63. Allgemeiner Ueberbliek über die Kriegsgeschichte des Alterthums. 527

die Hauptmacht der Scythen befände, theilten sie sich gewöhnlich in dreigrosse Haufen und zogen sich nach drei verschiedenen Richtungen zu-rück , aus der Front und von beiden Flanken, und hauptsächlich nachder Seite hin, wo sie die Bewohner dadurch zwingen wollten, sich offengegen den gemeinsamen Feind zu verbinden. Die Folge aller dieserListen oder Kunst der Scythen war, dass Darius Hystaspis nie wis-sen konnte, wo ihre Hauptmacht stand, um sich dorthin zu wenden undsie zu einer Schlacht zu zwingen , und endlich, unaufhörlich von ihnenbeunruhigt und geschwächt und an Lebensmitteln Mangel leidend, sichnicht ohne Mühe und Gefahr zur Donau zurückzog, nachdem er über70 Tage in Scythien zugebracht und mehr als 80,000 Mann daselbst ver-loren hatte.

Das ist also ein zweites Beispiel für den vollkommenen Erfolg einerKriegslist gegen überlegene Kräfte, während das erste Beispiel ausdem Kriege der Scythen gegen Cyrus ihren Erfolg gegenüber der krie-gerischen Begabung und dem Ruhme vorhergegangener Erfolge und Er-oberungen des Cyrus darthut.

Das nächstfolgende Beispiel, schon weit interessanter und lehrrei-cher, bietet die Geschichte in dem Einfalle der Perser unter Xerxes inGriechenland und in den daraus entstehenden griechisch-persischenKriegen. Das war kein Krieg zwischen asiatischen Monarchen und Völ-kern, oder zwischen Persern und Scythen, sondern zwischen den gewal-tigen Kräften des Orients, Asiens und Afrikas, und den weitschwächeren Kräften des kleinen Griechenlandes in Europa, ja nichteinmal des gesammten Griechenlands, sondern anfänglich fast nur derbeiden Hauptstaaten Athen und Sparta. Der schliessliche Erfolg in die-sem ungleichen Kampfe blieb auf Seite der Griechen und führte sie inder Folge aus der Defensive zu Offensivoperationen und ausgedehntenErfolgen in Asien. Die Ursachen hierfür waren mannichfach, sie gipfelnaber und concentriren sich in der einen Hauptursache, der Ueberlegen-heit des Kriegswesens, der Kriegskunst und der moralischen Kraft derGriechen.

Vier Jahre hatte Xerxes zu seinen furchtbaren Rüstungen ge-braucht und Nichts verabsäumt, so schien es, was den Erfolg seinesUnternehmens sicher stellen konnte und sollte. Mehr als 2i/ 2 MillionenMenschen, nachHerodot's Berechnung, führte er durch den Hellespontund Thracien nach Griechenland von Norden her auf dem Landwege,begleitet von einer Ungeheuern längs der Meeresküste segelnden Flotte.Die Griechen ihrerseits hatten beschlossen, vor Allem denPass derTher--mopylen nach Griechenland zu besetzen und zu vertheidigen, dann aberauf den Rath des Themistocles auf die Vertheidigung zu Lande ver-zichtet und sich zu energischen Operationen zur See gegen die Perser