63. Allgemeiner Ueberbliek über die Kriegsgeschichte des Alterthums. 525
meinen aber umfasste die Kunst der Kriegführung auch in ihrer primi-tivsten Form auf beiden Seiten die vier natürlichen und Hauptgesichts-punkte: Aufstellung, Marsch, Verpflegung und Kampf,von denen der 1., 2. und 4. in das Gebiet der Taktik fallen. DerKampf war die letzte und entscheidende Action des Zusammenstossesder beiden Gegner und ihrer Absichten, Zwecke, Maassregeln undAnordnungen. Und je naturwüchsiger und einfacher die Kunst derKriegführung war, desto heftiger trat das Bestreben beider Theile her-vor, die Sache so rasch als möglich durch den Kampf zu entscheiden.Dieses Bestreben führte dann die Leitung des Krieges wie die Führungdes Kampfes auf die Höhe einer Kunst.
Das Gefecht war also im Alterthume die hauptsächliche, vorherr-schende strategische wie taktische Action oder Operation, und die gleich-berechtigte Kunst der Bewegung und Aufstellung auf dem Kriegsschau-platz wurde ihr nicht gleichgestellt. Diesen naturgemässen Charakterhatte die Strategie wahrscheinlich im Alterthume , wie in den Händenaller geschickten und selbst grossen Feldherren, aus dem einfachenGrunde, weil er aus der menschlichen Natur entspringt; die wahre Kunstbleibt immer der Natur getreu und strebt ihr nachzuahmen und sie zuveredeln. Deswegen trägt auch in der Kunst der Kriegführung, wie injeder Kunst, die Uebereinstimmung ihrer Grundzüge mit denen der Na-tur den Charakter der Einfachheit und Grossartigkeit. Dadurch sinktsie nicht zu dem einfachen Zweikampf auf dem Schlachtfelde herab,denn noch vorher fällt politischen und kriegerischen Erwägungen undMaassnahmen zu dem Zwecke der Erlangung der grösstmöglicben Vor-theile bis zum Augenblicke des Kampfes und während desselben aufbeiden Seiten ein grosses und wichtiges Gebiet zu. Hierbei kann, dajeder Theil unter den für ihn günstigsten Bedingungen zu kämpfen wün-schen muss, die Auswahl des Kampfplatzes nicht immer für beide Theilegleich günstig sein. Zu solcher Auswahl ist hauptsächlich eine nahe undgenaue Kenntniss des Kriegstheaters, seiner Hülfsmittel und Beschaffen-heit erforderlich. Bei den Alten existirte dieser Vortheil nicht, denn daseinzige Mittel zur Erlangung zuverlässiger Nachrichten über den Kriegs-schauplatz, dessen Bewohner, Hülfsmittel und Beschaffenheit warenmündliche Berichte von zu diesem Zwecke ausgesendeten Kundschaf-tern , und diese Nachrichten konnten daher nicht die erforderliche Ge-nauigkeit haben.
Eine gewisse Regelmässigkeit und System bei Ausstellung und Aus-führung der Kriegs- oder Feldzugspläne, welche schon auf den Anfangeiner, wenn auch in ihren Grundzügen noch so rohen, Kunst hinweist,lässtsich schon in den ältesten geschichtlich bekannten Kriegen erkennen.
Der erste asiatische Feldherr und Eroberer, von welchem solche