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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
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524 IV. Von Augustus bis zum Untergang des Weströmischen Beiches.

gelangten geschichtlichen Angaben über Art und Kunst der Kriegführungbei Griechen und Römern.

In Bezug aber auf die vor dem 12. Jahrh. v. Chr. gelegene Zeitsind wir auf mehr oder minder das Richtige treffende Vermuthungenüber diesen Gegenstand angewiesen. Wir wissen, dass zu jener ZeitNinus, Semiramis, Sesostris und deren Vorgänger grosse Er-oberungskriege geführt und ungeheure Eroberungen gemacht haben,wir wissen aber nicht, von welchen Erwägungen sie dabei geleitet wur-den. Wir können nur mit Wahrscheinlichkeit annehmen, dass, als imalten Orient sich die ersten grossen Monarchieeil bildeten, die Völkerderselben aus verschiedenen Beweggründen und in verschiedener Ab-sieht gewaltige Einfälle in benachbarte und sogar in entferntere Länderund Staaten machten. Gegenstand ihrer Operationen mochten reicheStädte oder Provinzen, Richtung der nächste und beste Weg zudenselben, und ihr Ziel die Unterwerfung derselben und ihre eigene Berei-cherung sein. Die dem Angriffe Ausgesetzten verlegten dem Angreifer ent-weder den Weg, oder, wenn sie zu schwach waren, oder im Fall des Miss-lingens, schlössen sie sich in ihre Städte ein, vorzugsweise in die Haupt-städte oder Residenzen. In jedem Falle stellte sich die Notwendigkeitheraus, den versperrten Weg sich zu öffnen oder die Hauptstadt durchKampf zu unterwerfen, und der Sieg entschied für den einen oder denandern der kriegführenden Theile. Das ist der ursprüngliche Grund-charakter der Kunst der Kriegführung, der natürlichste und einfachste.

Es ist anzunehmen, dass bei dessen weiterer Entwicklung die Ein-wirkung des Terrains mehr in Betracht kam. Der Vertheidiger zog sich,weil er schwächer war, oder auch seiner eigenthümlichen Kampfweisehalber, in seine Berge und Wälder zurück, verschluss die Engpässe indenselben, beunruhigte und ermüdete den Anmarsch des Gegners, machtehäufige Angriffe auf denselben, schnitt ihm die Verpflegungsmittel ab,verheerte das Land u. s. w., kurz, suchte auf alle Weise dem AngreiferAbbruch zu thun, seinen Angriff zu erschweren oder wenn möglich zuverhindern. So gestaltete sieh wahrscheinlich im grauen Alterthum dernatürliche Charakter der Vertheidigung, im Einklang mit der Beschaf-fenheit des Landes und mit der Lebensweise seiner Bewohner. UnterBeschaffenheit des Landes ist hierbei das Terrain jeder Art zu verstehen,bergiges, ebenes, waldiges, offenes u. s. w., und für die Art der Defen-sive in demselben entschied der Geist des dort wohnenden Volkes.

Es scheint daher unzweifelhaft, dass die erste Entwickelung undVervollkommnung des natürlichen Charakters der Kriegführung von derSeite des Vertheidigers, als des schwächeren Theiles, ausgehen musste.Der Stärkere baut auf seine Macht, der Schwächere greift zu Hülfs-mitteln , um die Ungleichheit der Chancen auszugleichen. Im Allge-