62. Allgemeiner Ueberblick über die Kriegsgeschichte des Alterthums. 523
liehe Entwickelung, welche sie nicht nur zur Höhe einer Kunst, sondernzu der einer Wissenschaft erhebt (siehe oben die Quellen und später§. 466).
§.461.Strategie.
Wir wenden uns schliesslich zu dem Hauptzweige der Kriegskunst,der Strategie, welche im Alterthum nicht fehlen konnte und factisch auchvorhanden war, wenn auch nicht unter diesem Namen und sogar nichteinmal in Form eines besonderen Zweiges der Kriegskurist, sondernmehr in Form von Kriegslist und hauptsächlich als persönliches Geschickdes Feldherrn, der ja bei den Griechen allgemein den Titel Stra-tege führte.
Der Begriff des Krieges an sich fasst schon den andern der Führungdes Krieges in sich. Der erstere kann ohne den zweiten schon nach demeinfachen Gesetz des gesunden Menschenverstandes nicht gedacht wer-den. Wann, wo und durch wen auch der Krieg geführt worden, wienaturwüchsig und einfach er und die Kunst seiner Führung auch seinmochte, das Eine konnte nicht ohne das Andere sein. Es unterliegt da-her keinem Zweifel, dass der Anfang des Krieges zugleich auch derAnfang zur Kunst der Kriegführung war. Aber auf Grund von histori-schen Mittheilungen sich ein bestimmtes und deutliches Bild von derEntstehung des Einen wie des Andern zu machen, das ist unmöglich,aus dem einfachen Grunde, weil es keine solche Nachrichten giebt.Unzweifelhaft nahm die Kunst der Kriegführung dort ihren Anfang, woauch alle übrigen Künste beginnen, im Osten der alten Welt. Aber derantike heidnische Osten hat uns keine volle und glaubhafte Ge-schichte hinterlassen, was davon zu uns gelangte, ist nur lückenhaft undenthält nichts Historisches dieser Art. Nur von einem Volke des altenOrients, dem der H e b r ä e r, an der Schwelle der fremden heidnischenWelt,.besitzen wir eine wirkliche und zuverlässige Geschichte in den sogenann-ten historischen Büchern der heiligen Schrift Alten Testaments.In ihnen sind u. A. auch die ältesten geschichtlichen Nachrichten überdie Kriege und die Art der Kriegführung bei den Hebräern und anderenVölkern des alten Orientes enthalten. Später, im 12. Jahrh. v. Chr., er-scheinen zugleich mit den ersten Spuren einer Geschichte in Europa,und zwar bei den Griechen , wenn auch in der Gestalt einer epischenDichtung —der Iliade Homer's —, auch die ersten Nachrichtenüber Art und Kunst der Kriegführung in dem heroischen Zeitalter derGriechen. Noch später endlich, vom 5. Jahrh. v. Chr. an, mit dem Be-ginne einer echten, wahren, historischen Wissenschaft auch die zu uns