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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
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522 IV. Von Augustus bis zum Untergang des Weströmischen Keiches.

Die (horizontal schiessenden) Catapulten hatten verschiedene Grösse.Die grössten, nur in Festungen gebräuchlichen, schössen bis auf 800Schritte, mit Sicherheit aber nur bis auf 400 Schritte. Die Percussions-kraft der von ihnen entsendeten Pfeile oder Lanzen war so gross, dasssie bisweilen vier Reihen dichter Hurdenzäune durchschlugen. Die klei-neren Catapulten oder Scorpione wurden vorzugsweise im Felde ange-wendet, sie waren auch verschieden gross und schössen auf Entfernungenvon 300500 Schritt. Die Catapulten schössen mitunter auch Brand-pfeile (ftdaricae, malleoli), an deren Spitzen mit eisernen Ringen inSchwefel, Pech, oder in eine unbekannte Substanz getränktesWerg befestigt war; diese unbekannte Substanz brannte, nach derAngabe des Aeneas Tacticus, mit unauslöschlichem Feuersogar im Wasser (was besondere Beachtung verdient im Hinblick aufspätere Brandstoffe}.

Die (im Bogen werfenden) Ballisten kamen gleichfalls in verschiede-ner Grösse vor, einfach, oder complicirter. Die grossen, hauptsächlichbei Belagerung und Vertheidigung von Städten angewendet, warfenSteine von 910 Pfund und darüber, Massen von Bleikugeln , und an-dere Projectile auf Entfernungen von 400600 Schritt. Die kleinerenBallisten oder onagri waren besonders im Feldkriege im Gebrauch.In späterer Zeit nannte man onager überhaupt alle im Bogen werfendenGeschütze.

Die alten Schriftsteller sprechen auch von Handscorpionen undOuagern, welche ein Mann mit der Hand bewegen und abschiessenkonnte.

Die Wurfmaschinen grösserer Art wurden nicht hinter dem Heeremitgeführt, nur einige Requisiten für dieselben: Sehnen, Eisen u. s. w.;das dazu nöthige Holz oder die Gestelle wurde an Ort und Stelle des Ge-brauchs erst beschafft. Die Feldgeschütze aber scheinen jedenfalls aufRädern gestanden zu haben und wurden von Pferden. Mauleseln oderauch Soldaten gezogen.

Die Ehre der Erfindung und Vervollkommnung aller dieser Wurf-maschinen, sowie Alles dessen, was sich in technischer, mechanischerund mathematischer Hinsicht und den damit zusammengehörenden Din-gen auf die Ballistik bezieht, gebührt ausschliesslich oder wenigstens inhervorragendem Maasse den Griechen. Besonders zeichnete sich darinArchimedes bei der Belagerung von Syracus durch die Römer unterMarcellus (213212 v. Chr.) aus, und in späterer Zeit kommen vieleausgezeichnete griechische Mathematiker und Kriegsbaumeister vor, na-mentlich inAlexandrien, dem Mittelpunkte der griechischen Bildung.Ihnen verdankt im Allgemeinen die antike Ballistik die Wissenschaft-