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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
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510 IV. Von Augustus bis zum Untergang des Weströmischen Reiches.

Schlössern oder Castellen u. s. w., sodass alle Grenzen des Reiches undspäter beider Reichshälfteil auf dem ganzen Räume zwischen Rhein, Do-nau undEuphrat damit übersäet waren. Während also in dem römischenReiche Kriegswesen, Kriegskunst und Geist verfielen, dehnte die Be-festigungskunst, passagere wie permanente, ihre Gebiete und ihre Di-mensionen mehr und mehr aus, um Schutz gegen die fortwährenden undsich stets verstärkenden Angriffe der äusseren Feinde zu gewähren.Aber diese materiellen Hülfsmittel erwiesen sich bei dem ausser-ordentlichen moralischen Verfall vollkommen machtlos zur Erreichungihres Zweckes und hielten den unwiderstehlichen Andrang der nordischenund westlichen Völker nicht auf. welche plündernd, zerstörend und er-obernd in die römischen Grenzprovinzen einbrachen, während im WestenBritannien, Gallien, Hispanien und besonders Italien selbst das Haupt-ziel ihrer Erwerbsgelttste bildeten.

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§. 459.Belagerungskunst.

Die Kunst der Bezwingung befestigter Städte befand sich lange, jabis zum 6. Jahrb. v. Chr., im Zustande grosser Unvollkommenheit undstand weit hinter der Kunst und Macht der Verteidigung zurück. Be-weis dessen sind die langjährigen Städtebelagerungen, wie z. B. vonAsdod durch den ägyptischen König Psammetich (29 Jahre), des altenTyrus durch Nabuchodonosor (13 Jahre, , von Ithome 14 Jahre), vonIra f 10 Jahre), durch die Spartaner, von Babylon durch Cyrus(2 Jahre) und später durch Darius Hystaspis (20 Monate). Gewiss warendies eigentlich nur EinSchliessungen (Blokaden' und nicht Belagerungenmit unaufhörlichen Angriffen, wie es das Beispiel der 10jährigen soge-nannten B elagerung von Troja durch die Griechen beweist.

Aber die Unvollkommenheit der Belagerungskunst war nicht dereinzige Grund für diese so lange ausgedehnten Belagerungen, oder rich-tiger gesagt, Einschliessungen. Selbst da noch, als diese Kunst Fort-schritte gemacht hatte und bei der gleichzeitigen Vervollkommnung der Ver-theidigungsmittel diesen, wenn nicht überlegen, so doch vollkommen gleichgeworden war. hielten sich dennoch die Belagerten ausserordentlich lange,wie z. B. die Städte Veji, Tyrus, Karthago, Syracus, Numantia u. a. Die Ur-sachen hierfür lagen 1) darin, dass im Alterthum die Belagerten nicht fürihr Leben und Eigenthum , sondern auch für ihre Freiheit und politischeExistenz kämpften, was ihre Tapferkeit, ihre Ausdauer bei Ueberwin-duiig der grössten Mühsale, Entbehrungen und Uebel aufs Höchste ent-flammte und sie in Vertheidigungsmitteln höchst erfinderisch machte,und 2) darin, dass an der Vertheidigung die ganze männliche waffen-