63. Allgemeiner Ueberblick über die Kriegsgeschichte des Alterthums. 509
ist sie in allen auf den Feldkrieg bezüglichen Zweigen wahrscheinlicherst später entstanden und entwickelte sich nur allmälig, zuerst in Asienund Afrika, dann in Europa bei den Griechen und besonders bei denRömern, in jedem Welttheile und bei jedem Volke eigenartig, aber inEuropa höher, als in Asien und Afrika, und bei den Römern mehr alsbeiden Griechen. Bei den Letzteren erlangte sie keine grosse Bedeu-tung, Entwickelung und Vollkommenheit, bei den Römern aber, — ausden im §. 457 über die Castrametatio angeführten Ursachen—, fand dasGegentheil statt. — Bei diesen hatte sie seit der Zeit der punischenKriege sich mehr und mehr entwickelt, erreichte ihren Höhepunkt in denBürgerkriegen, namentlich in den Kriegen und Feldzügen Julius Cä-sar 's, sowohl hinsichtlich ihrer Dimensionen, als besonders ihrer Kunst,und endlich zur Zeit des Kaiserreichs, aber mehr nach Seite der Dimen-sionen, als nach Seite der Kunst. Cäsar griff zu ihr, tbeils den dama-ligen Begriffen von Kriegführung entsprechend, theils gezwungen, theilsauch seiner eigenen Neigung dazu folgend, fast jedesmal und führte soungeheure Arbeiten aus, dass sie heutzutage unwillkürliche Bewunde-rung hervorrufen, sowohl durch ihre Maassverhältnisse, wie durch diedarauf verwendete Arbeit und Zeit, wie durch die von Cäsar dabei ent-faltete Kunst. Zu dieser Zeit, und überhaupt zur Zeit der Bürgerkriege,bestand, ausser Verschanzungen verschiedener Art und in Form vonFeld- oder stehenden Lagern, die Feldbefestigung bei den Römern haupt-sächlich in der Erbauung verschiedener verschanzter Linien, so-wohl im Felde zur Verbindung eines Lagers mit andern oder zu Terrain-absperrungen , als auch zur Einscliliessung und Belagerung von Orten,in den beiden Hauptformen der Circum- und Contravallations-linien. Sie bestanden aus Erdwällen mit Graben und Pallisaden, Erd-oder Steinthürmen und verschiedenen künstlichen davor liegenden Hin-dernissmitteln : Verhauen, Wolfsgruben u. s. w., in der Nähe des Meeresoder von Strömen, auch noch in Verbindung mit Dämmen, Inundationenu. s. w.
Zur Zeit des Kaiserreichs entwickelte sich die Feldbefestigung indieser Richtung aufs Höchste, in Gestalt von ungeheueren verschanztenLinien auf lange Ausdehnungen, wie z. B. zwischen Rhein und Donaueinerseits und dem Ocean, dem mittelländischen Meere und der Nordseeandererseits, in Britannien an der Grenze von Caledonien zwischen denbeiden Meeren, in Pannonien, Illyrien, auf der thracischen Halbinsel, inAsien an den Grenzen von Armenien und Persien u. s. w. Damit fielauch eine gleich unverhäitnissinässige Entwickelung der permanentenBefestigungskunst zusammen, in Erbauung einer, von der Menge derbereits vorhandenen festen Städte, unabhängigen, grossen Anzahl vonGrenz- und detachirten kleineren oder grösseren Festungen und Forts,