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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
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508
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508 IV. Von Augustus bis zum Untergang des Weströmischen Eeiehes.

In Griechenland und Italien finden wir erst später Städte mit Stein-mauern und Thürmen. Früher und mehr als andre zieht die ähnlicheBefestigung von Athen [zur. Zeit des peloponnesischen Krieges die Auf-merksamkeit auf sich, nach der Beschreibung des Thucydides abwei-chend von jener der vier genannten Städte des Orients, aber doch in vie-len Punkten ähnlich. Die Stärke beruhte hier wie dort besonders inihren Profilen nach Höhe und Dicke, und in ihrer Zusammenfüguug ausgewaltigen durch eiserne Klammern verbundenen Steinen. In gleicherWeise wie Athen waren auch die übrigen Hauptstädte Griechenlandsmehr oder minder stark befestigt und besassen besondere Citadellen,aber auf nahe gelegenen dominirenden Anhöhen, nicht im Innern derStadt, wie in Asien fAkropolis, Kadmea. Akrokorinth u. s. w.).

Aber nicht die Städte allein, auch die Häfen, Grenzen und Engpässewurden mit Steinmauern umwallt oder abgesperrt, z. B. die phalerischeMauer bis an die Aussenmauer von Athen, in einer Länge von 35 Stadien(1 Stadium = 250 Schritte ä 2 Fuss 4 Zoll. und 40 Stadien = 1 deut-sche Meile = 7 Werst oder circa 7 Kilometer , die Mauern zum Piräeus(40 Stadien), die den Piräeus und Munychia gemeinschaftlich umschlies-senden Mauern (60 Stadien), die pelusische Mauer des Sesostris (vonPelusium nach Iliopolis, 180 Meilen = 1260 Kilometer), die Mauer querüber die corinthische Landenge, die Mauer des Miltiades quer durchden thracischen Chersonnes, die Therinopylen. die persischen Pfortenoder Engpässe, die Steinwälle oder Mauern der Römer in Britannienu. s. w.

Nur die Spartaner verachteten, nach des Lykurgus Gesetzen, jedeArt von Befestigung, dennoch aber wurde die Stadt Sparta in den grie-chischen Kriegen niemals, und von Niemand eingenommen. Dafür aberzwangen die Spartaner, wenn sie fremde Städte unterworfen hatten,diese, ihre Mauern zu schleifen, weil sie eben so unerfahren in der Bela-gerung wie in der Befestigung von Städten waren.

Die Herrscher der grossen Reiche sahen das letzte Mittel zu ihremSchutze in der Vertheidigung ihrer Residenzen, die kleineren Staatenaber, von der Art wie die griechischen, deren Grenzen nicht selten dieMauern ihrer Städte waren, gründeten auf deren Vertheidigung die Be-wahrung ihrer Unabhängigkeit und ihrer Freiheit. Bei der Menge dieserkleinen Staaten, namentlich in Griechenland und Italien, gab es daherauch eine Menge befestigter Städte, und so musste der Krieg selbst einendoppelten Charakter tragen und trug ihn stets. als Feldkrieg und alsFestungs- oder Belagerungskrieg.

Die Feldbefestigung, in Form der Castrametatio oder Befestigungvou Kriegsfeldlagern entstand vermuthlich ziemlich gleicbzeitig mit derpermanenten Fortification. Aber, abgesehen von dieser Castrametatio,